Pup und „This Place Sucks Ass“: Die eigenen kleinen Apokalypsen

Nur anderthalb Jahre nach dem letzten Album von Pup folgt eine EP, die vor allem aus für „Morbid Stuff“ verworfenen Songs besteht. Ist „This Place Sucks Ass“ nur die Resterampe eines großartigen Albums?
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Nach „The Dream Is Over“ von 2016 ist „This Place Sucks Ass“ die zweite Veröffentlichung von Pup mit einer brennenden Couch auf dem Cover. Dieses Mal ist die allerdings das Ergebnis eines unbarmherzigen postapokalyptischen Gemetzels, das die erschöpfte Gestalt auf dem Sitzmöbel schon gar nicht mehr wahrnimmt. Ein comifiziertes Sinnbild für dieses Jahr, in dem so viel auf einmal zu passieren scheint.

Mit der neuen EP von Pup passiert nun aber zur Abwechslung mal etwas Gutes. Dass die Kanadier nach dem großartigen „Morbid Stuff“ von 2019 so schnell neues Material präsentieren können, liegt auch daran, dass vier der sechs Songs aus den Aufnahmesessions zu diesem Album stammen. Deshalb erwartet die Hörenden auch wieder genau das, was die Songs von Pup so spaßig macht: Punk-Rock mit ungewöhnlichen Ideen und unverschämt eingängigen Hooks.

Leider hört man den Songs an, warum sie es letztendlich nicht aufs Album geschafft haben. „Nothing Changes“ oder „Floodgates“ wirken im Vergleich zu den Hymnen auf „Morbid Stuff“ dann doch etwas zu routiniert. Allerdings ist selbst ein durchschnittlicher Pup-Song ein großartiger Pop-Punk-Song und in den 18 Minuten Laufzeit fühlt man sich nie, als würde man gerade bloß B-Ware hören.

Der beste Song ist dann auch der einzige, der extra für „This Place Sucks Ass“ geschrieben wurde: In „Rot“ geht es um den Zwiespalt, dass Sänger Stefan Babcocks fragile mentale Gesundheit ihn einerseits erheblich einschränkt, aber gleichzeitig auch sein künstlerisches Kapital darstellt, aus dem er die Inspiration für seine Texte zieht. Hier geht die Pup-Formel voll auf, musikalisch wie inhaltlich.

„Anaphylaxis“ ist die musikalische Umsetzung einer Panikattacke: Die Gitarren summen wie ein Bienenschwarm, die Rhythmusgruppe treibt die Strophen stolpernd voran. Im Refrain scheint es kurz eine Atempause zu geben, bevor es ohne Vorwarnung wieder losgeht. Auf „A.M. 180“, einem Cover der Indie-Band Grandaddy, ersetzt Steve Sladkowskis Leadgitarre den Synthie des Originals, wodurch der etwas bräsige Song aus dem Jahr 1997 energetischer und moderner wird, was ihm gut steht.

Das Finale der Platte bildet das 70-sekündige „Edmonton“, eine hardcoremäßige Explosion von einem Song. In nur acht Textzeilen schildert Stefan die Kluft zwischen Band- und Privatleben: Während er auf Tour ist, wird zuhause ein Freund beerdigt.

Touren gibt es zur Zeit nicht. Zuhause zu sitzen und die Weltlage zu beobachten, tut der eigenen mentalen Gesundheit allerdings auch nicht gut. Mit „This Place Sucks Ass“ zeigen Pup wieder einmal, dass man auch diese kleinen Apokalypsen überstehen kann.

Fazit

7.1
Wertung

Ein roter Faden zieht sich durch die ganze Diskografie von Pup: Wenn die Gitarren verklungen sind, ist man allein mit seinen Gedanken. Auch auf „This Place Sucks Ass“ geht es darum, wie man damit umgeht und so ist diese EP mehr als nur eine Sammlung von Studio-Outtakes.

Steffen Schindler