Döll und "Kultur": Tiefgründige Selbstreflexion

Döll macht es für die Kultur. Auf seiner gleichnamigen EP erzählt der Rapper über seine Vergangenheit. Schlechte Freestyles und nächtliche Sprühaktionen gepaart mit Abstürzen durch Drogenkonsum. Auf Oldschool Beats gewährt uns der Rapper einen Einblick in seine eigenen Abgründe.
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Je älter man wird, desto öfter hört man folgende Aussage: „Ich wünschte, ich wäre wieder jung. Da war alles irgendwie besser“. Man erinnert sich an nächtliche Ausflüge an den Badesee, die erste Zigarette oder das allererste Konzert - die Romantisierung der Jugend. Wenn man aber nun wirklich einmal an frühere Zeiten zurückdenkt, merkt man, wie viel Negatives man sich selbst verschweigt. Für Döll bestand diese „schöne Jugendzeit“ eben nicht nur aus Sprühen, Kiffen und mit den Jungs Freestyles auf schlechte Beats Kicken. Seine Abgründe und der Weg aus dem Loch - Döll lässt sich in seiner neuen EP „Kultur“ sozusagen selbst Revue passieren und spricht ganz offen über seine Jahre im Drogensumpf, illegale, nächtliche Sprühaktionen und wie er das durch Musik verarbeitet.

Döll hat sich für die Produktion kein Label an die Seite geholt, sondern wie „in alten Zeiten“, selbst Hand angelegt. Statt platte Phrasen auf einem Deutschtrap-Beat beweist er Tiefgang. Es geht aber nicht um die Abgrenzung zum Rest, sondern um den Gewinn der eigenen Identität durch den Fall nach ganz unten. Man belügt sich selbst bis zu dem Punkt, wo man in seinem eigenen Dreck aufwacht und den Schmerz nicht mehr betäuben kann, weil der Schmerz von der Betäubung kommt.

Schlechte Beats, rote Augen und ein gesundes Maß an Hass auf die Bonzen. Döll und Audio88 machen es für die Kultur. Auf Oldschool Beats erinnern sich die Rapper an die Zeit vor Spotify und Instagram und erzählen, wie man „früher“ mit Musik aufgewachsen ist.

Tiefgründig erkundet Döll seine Jugend und die vielen falschen Entscheidungen und Wege in den Abgrund, die ihn zu dem gemacht haben, der heute diese Zeilen schreibt. 

 

„wenn ich dich lieb ist, es wahrscheinlich dass ich dich irgendwann verletz“

 

Man sieht das eigene Leben an einem vorbeiziehen und bemerkt erst, wie tief man gerutscht ist, wenn man schon ganz weit unten liegt. Döll erzählt von seinem Scheitern, zeigt aber auch, wie er seinen Kampf geführt hat und letztendlich die Überhand gewann.

Fazit

8.7
Wertung

Döll gewährt Einblick in seine Vergangenheit und beschönigt seine Storys nicht unnötig, sondern konfrontiert den/die Hörer/in mit Szenen aus einer Realität, die man selbst nicht mehr als Realität wahrnehmen kann. Ein textuell starkes Album mit harten Beats und Audio88 als Feature-Gast.

Paula Thode
6
Wertung

Textlich stark, instrumental beeindruckt es mich eher weniger - wie viele Alben dieses Musikspektrums. Wenig Abwechslung sorgt leider für einen musikalischen Einheitsbrei, bei dem kein Song wirklich hängen bleibt.

Jannika Hoberg