AOP und „Von wegen Punkrock“: Vier Akkorde haben sich noch immer gelohnt!

Lange war es ruhig um die dreiköpfige Band AOP aus Bad Wimpfen. Nun erscheint nach etwa zehn Jahren mit „Von wegen Punkrock“ das dritte Studioalbum der Band um zu beweisen, dass guter und lang gereifter Wein nicht teuer sein muss. Sprichwörtlich versteht sich.
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Trotz einer bereits langen Bandgeschichte ist es ein neuer Name im Album-der-Woche-Kosmos: AOP. Die Wurzeln der drei Punkrocker reichen zurück bis in ihre Schulzeit, in der sie sich kennenlernten und schließlich ab 1999 in wechselnden Besetzungen Musik machten. Im Jahr 2008 fand die Band ihren vorläufigen Namen AndiOliPhilipp, ganz unkonventionell nach den Vornamen ihrer Mitglieder benannt. Es folgten zwei Alben in den Jahren 2009 und 2011 sowie Shows bei Rock am Ring, dem Highfield-Festival oder dem Hurricane. Die Band löste sich im Jahr 2013 offiziell auf und brachte 2018 ein durch ein Crowdfunding finanziertes Livealbum heraus. Anschließend begann es im Hintergrund zu brodeln, bis der Paukenschlag erschallte: AOP sind zurück! Mit neuem Drummer, einem neuen Namen und jetzt auch mit einem neuen Album mit dem Titel „Von wegen Punkrock“.

 

Dieses Werk präsentiert zwei Seiten der Band. Zum einen ist da das wohlig Vertraute, welches die Ohren der alten Zuhörerschaft sofort wiedererkennen dürften. Alles klingt zwar ähnlich, natürlich bedingt durch Olis kaum bis gar nicht veränderte Gesangsstimme und unfassbar eingängig. Und dennoch schlägt „Von wegen Punkrock“ eine Brücke. Eine Brücke zu einem neuen Abschnitt in der Geschichte von AOP. Das liegt sowohl am neuen Bandmitglied Christian „Stukki“ Stephan hinter den Drums und andererseits an einer etwas veränderten Grundhaltung. AOP standen schon vor ihrer Auflösung für persönliche Songs mit Emotionen und Beziehungsaspekten, der wohl bekannteste Titel „Mutter Theresa“ drehte sich ums Feiern und rotiert heute noch in vielen Partyplaylisten dieses Landes. Nun mischt sich ein neuer Aspekt in die textlichen Inhalte der Gruppe: Politische Meinung, Ablehnung, ernste Worte. Der Unterhaltungskünstler Simon Pearce verfasste einmal ein Gedicht namens „Bei Hitlers brennt noch Licht“. AOP wurden darauf aufmerksam und in Absprache mit Simon findet sich dieses Gedicht nun vertont auf „Von wegen Punkrock“ wieder. Auch „Ich will es nicht mehr hören“ oder „Meine Freude“ nehmen eine ablehnende Haltung gegenüber gerade stattfindenden Prozessen ein und klingen nicht mehr so nach Friede Freude und dem altbekannten Eierkuchen. Die Zeiten sind rauer geworden, auch für AOP und dem was die Band textlich sowie musikalisch transportiert. Den Humor haben die Drei aber keineswegs verloren. Im Song „Zum Punk hat’s nicht gereicht“ nehmen AOP alle Kritiken aufs Korn, die ihnen in den vergangenen Jahren entgegen geschleudert wurden und heute noch werden. Dass sie dabei einen so unfassbar hartnäckigen Ohrwurm produzieren (gegen den man sich beim Aufschreiben des bloßen Namens schon nicht mehr wehren kann), rundet den Titel wunderbar ab.

Es ist jedoch nicht nur die neue Musik der Band, die das erste Album nach der Wiedervereinigung von AOP besonders macht. Auch das Drumherum ist bemerkenswert. So kündigte die Band ihr Album an und ließ jedem Fan oder Interessierten die freie Auswahl, ob er das Album auf CD oder Vinyl für sich selbst kauft und bezahlt, oder an zwei Menschen verschenken möchte. Verschenken?! Ganz genau, verschenken. Völlig kostenlos flatterten zum Release beinahe 666 CDs in ebenso viele Briefkästen und ließen ihre Empfänger*innen wohl nicht selten staunen.

Fazit

7.8
Wertung

Lange war es ruhig um AOP. Ganz aus den Augen beziehungsweise aus meinen Playlists verloren habe ich die Jungs zum Glück nie. "Von wegen Punkrock" ist hoffentlich nur der Anfang eines neuen Kapitels rund um diese Band!

Mark Schneider