American Football und "LP3": Spielt denselben Song nochmal

Emo wiederholt sich oder wird vom HipHop übernommen und auch Indie fällt es schwer, die großen Bühnen zu erreichen. American Football wagen mit ihrem dritten Album dennoch den Versuch, durch Minimalismus und Repetition zu überzeugen.
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Sanfte Glockenspiele und ein Rhodes bauen sich knapp eineinhalb Minuten auf, bevor endlich die erste Gitarrensaite, der erste Drum-Hit ertönt. Ab diesem Zeitpunkt wird das Album nicht eine Spur härter, druckvoller oder aufdringlicher. Im Gegenteil: American Footballs "LP3" steigert seine süßlich-einlullende Wirkung mit jedem Song, jedem Gitarrenarpeggio, jedem gesäuseltem Zweifel Mike Kinsellas. Der Dream-Pop der Band behält seinen Vibe aus Emo, Indie und Pop-Punk, zelebriert in seinen Songstrukturen aber radikal ein anderes Prinzip: Wirkung durch Wiederholung. Ganz ähnlich wie auf Bon Ivers 2016er Meisterwerk "22, A Million" passiert auch auf den 47 Minuten von "LP3" nicht viel, gerade innerhalb der Songs. Da liegt jedoch das große Kunststück von American Football: Sie bezirzen ihre Hörerschaft so lange mit den intimen Beats und schwebenden Gitarrenarrangements, bis sie anfangen, ihre Köpfe auszuschalten. Und dann sind sie da, wo sie American Football haben wollen.

Das soll nicht klingen wie seelenlose EDM-Musik, die man auch nur auf Standby-Modus und am besten mit diversen alkoholischen Substanzen im Körper erträgt. Vielmehr versuchen die US-Amerikaner einen Trance-Zustand in ihrer Hörerschaft zu erreichen, ganz ähnlich wie dem Techno, in dem man nicht mehr über die Musik nachdenkt, sondern sie nur noch fühlt. Naheliegenderweise macht es also wenig Sinn, besondere Songs hervorzuheben, da diese erstens gerne über die Sieben-Minuten-Marke schlagen und zweitens das ganze Album eh ein einziger, sich langsam entwickelnder Song ist. Einzig das Feature mit Paramore-Sängerin Hayley Williams, "Uncomfortably Numb", ragt in seiner Qualität besonders heraus.

Fazit

6.5
Wertung

American Football zelebrieren den intimen Stillstand und sind dabei doch fortschrittlicher als die meisten Bands ihres Schlags. Ob man sich auf die auf Dauer doch leicht ermüdenden, cleanen Gitarren-Arpeggios zwischen The xx und The Story So Far einlassen kann, ist dabei eine andere Frage.

Julius Krämer