Unter dem Radar #18: Things That Need To Be Fixed

Things That Need To Be Fixed – der Name, dessen Länge manchmal bereut wird, beschreibt eine Band aus München, die die Genres Easycore, Poppunk, Metalcore und Rap vereint. Jannika hat mit Flo, Henri und Adry über Dinosaurier, Bunker-Proberäume und Skillet gesprochen.
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Heimatstadt: München

Genre: Easycore

Bisher veröffentlicht: Spaceships & Dinosaurs (2016), Neverest (2019)

Für Fans von: Zebrahead, A Day To Remember, Chunk! No, Captain Chunk!, New Found Glory, Four Year Strong

 

Den konkreten Sound von Things That Need To Be Fixed zu beschreiben, ist durch das Vermischen so vieler Stilrichtungen und auch dem Spielen mit Stilbrüchen gar nicht so leicht – nicht mal für die Band selber. „Wir rollen eingängige Refrains und kernige Breakdowns in einen schmackhaften Easycore-Burrito“ – so oder so ähnlich lautete mal ein Pressetext von Things, in der Facebook-Beschreibung steht „Sounds like fat beats and yelling“.

In der aktuellen Besetzung befindet sich die Band noch gar nicht lange. Gründungsmitglied und Sänger Kle, der 2013 Lust auf Pop-Punk hatte, war aus zeitlichen Gründen leider nicht beim Gespräch dabei, die Bandgeschichte wickelt Adry auf, der 2014 als Bassist pünktlich zur ersten EP „Spaceships & Dinosaurs“ dazugekommen ist. Im Anschluss an die EP sind die beiden Gitarristen und der Drummer ausgestiegen, um sich anderen Bandprojekten zu widmen. Als Ersatz sind ca. 2017 Flo, Alf und Thomson dazugestoßen, Henri dann kurz vor der ersten Deutschland-Tour 2019 mit Tell You What Now und Arise From The Fallen, nachdem Thomson aus familiären Gründen aufgehört hat. All die holprigen Phasen wurden schließlich überwunden und führten zur heutigen Besetzung.

Die unterschiedlichen, verwobenen Stilrichtungen in ihrer Musik lassen sich auch durch die verschiedenen Ausrichtungen der Bandmitglieder erklären, so bringt Alf etwa den Input aus der Hardcore-Szene, Kle bewegt sich hauptsächlich in der Rap- und Hiphop-Szene und Flo muss „ehrlich zugeben“, dass er mehr so auf der Pop-Punk-Schiene unterwegs ist. Dann wird sich eben in der Mitte getroffen, was gerade bei Neverest auch gut zu hören ist. „Es ist fast wunderlich, nach dem ganzen Schmarrn, den wir so einbringen, dass da irgendwie was rauskommt, was halbwegs nach einer Sache klingt“, merkt Henri an. Im Auto auf Tour oder auf dem Weg zu Konzerten gibt’s dann schon mal „den wildesten Mix aus Taylor Swift und Deathcore“.

Nachdem Kle für das Songwriting der ersten EP hauptverantwortlich war, hat sich der Ablauf der Songproduktion mittlerweile dahingehend geändert, dass einer das Grundkonzept für einen Song entwickelt und „die anderen basteln drum rum und füllen es auf“. Aufgeschrieben wird ganz wenig, was manchmal zur Challenge wird, wenn man vergisst, was man gespielt hat, dafür nehmen die Jungs ihre ausprobierten Sachen zuhause auf und schicken etwaige Ergebnisse rum.

Zur Musik sind alle drei auf recht ähnliche Weise gekommen. Adry hatte mit zwölf seine Metalphase und wollte unbedingt selber spielen. Zwei Jahre, nachdem er eine E-Gitarre zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, ist er allerdings auf den Bass umgestiegen, „weil man damit besser grooven kann“. Flo hat mit acht Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen und nach der typischen Green Day-Playalong-Phase „musste ne Band her“, also wurde mit 13 kurzerhand mit dem Vater und zwei 18-jährigen Gitarristen eine gegründet. Mit etwa 15 hat er angefangen zu singen und übernimmt auch bei Things Background Vocals mit Headset beim Schlagzeug spielen. Henri wurde mit 12 sogar vom Gitarrenunterricht abgemeldet, weil er zu wenig geübt hat, aber „irgendwann macht‘s klick und dann kann man die Gitarre nicht mehr aus der Hand legen“, was die anderen beiden bejahen. „Es packt einen dann so richtig und man merkt, dass es mit anderen Leuten noch viel mehr Spaß macht“, stellt Henri fest.

Was Things von der Masse an Newcomer-Bands unterscheidet, ist sicherlich der besondere Proberaum, durch den es auf Instagram sogar eine Video-Tour gibt. Die fünf Jungs proben nämlich in einem alten Flakturm-Hochbunker. Wie sie dazu gekommen sind? „Der steht halt da und bietet Proberäume“, meint Adry, „und das ist in München gar nicht so einfach, man muss schon sagen, es ist ein ziemlicher Jackpot“, ergänzt Henri. Handynetz ist da zwar nicht, aber es beschwert sich wenigstens auch keiner wegen Lärmbelästigung.

Neben der Band studiert Flo noch Medizin in Erlangen (wofür er sich schon leise Double-Bass-Pedals zum Üben bestellt hat), durch die Corona-Situation ist er aber mit der Online-Uni weiterhin in München, wodurch Bandproben (mittlerweile wieder) möglich sind. „Der Lockdown war ein bisschen Training, dass wir in Kontakt und aktiv bleiben, auch wenn dann zum Beispiel der Flo dann nicht mehr so oft kann.“, erklärt Henri, merkt aber dann noch an, dass die aktuelle Situation schon hart ist. „Man muss schon zugeben, es fehlt.“

Das Einzige, das bisher an Liveauftritten geplant ist, ist ein Gig Anfang 2021 mit Rising Insane, ansonsten wird fleißig an neuer Musik geschrieben und am Merch gearbeitet, diesmal „nicht ganz“ mit Dinos. Dinos sind bisher auf den Covern, im Logo und auf dem bestehenden Merch zu finden – weil „wer mag keine Dinos?“, erklärt Adry.

Der bisher größte Support-Gig der Jungs war 2018 für Skillet in der TonHalle München, auch Emil Bulls im Backstage-Werk in München war beeindruckend. Auf die Frage, was die bisherige Lieblingsshow der Jungs war, antwortet Adry: „Skillet war vom Feeling her Weltklasse, aber auch unser Releasegig für Neverest war sehr cool, das war wie ne riesen Party“, die Lieblingslocation ist der Backstage Club in München. Ein besonderes Erlebnis war die Abschlussshow der Tour 2019 in Essen, wo die anderen Bands jeweils während der Show die Instrumente geklaut haben, „am Ende waren alle auf der Bühne und keiner mehr im Publikum“. Musikalische Träume und Ziele sind unterschiedlich, Flo antwortet: „Wir wollen mal in die Charts, das haben wir echt noch nicht erlebt“, Adry wünscht sich ein Sommer Open Air Festival. Auf die Frage, ob sie lieber nie wieder selber spielen würden oder nie wieder eine Show als Zuschauer sehen wollen, antworten sie, nach der Debatte, ob das jetzt narzisstisch sei, dass sie sich wahrscheinlich fürs Selber spielen entscheiden würden. „Das macht was mit einem, das macht so viel Bock. Wenn man dann Leute zum Grinsen bringt, macht mich das so happy“, erklärt Flo.