Off With Their Heads und “Be Good” - Tatsächlich gut?

Glaubt man Frontmann Ryan Young, unterscheidet sich das fünfte Studio-Album von Off With Their Heads vor allem durch eine entscheidende Charakteristik von den vorherigen Platten der Band: es ist tatsächlich gut. Doch handelt es sich hierbei um eine steile These oder berechtigtes Eigenlob?
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In den letzten Jahren war es ruhig um die ewig tourenden Off With Their Heads, jetzt kommt mit “Be Good” das erste Lebenszeichen in LP-Form seit der 2016 erschienenen Akustik-Scheibe “Won’t Be Missed”. Die Zeit abseits des Band-Alltags hat bei Young offenbar einen Perspektivwechsel forciert. Vor allem textlich schlägt “Be Good” andere Töne an als das bisherige Repertoire der Gruppe. Anders bedeutet in diesem Zusammenhang etwas weniger negativ.

Die blinde Wut auf die Welt weicht missmutiger Akzeptanz und dem Willen, dann doch noch irgendwie das Beste draus zu machen. Während der Kreativpause kümmerte sich Young um ein krankes Familienmitglied, das schließlich im vergangenen Jahr verstarb. Diese Trauer zieht sich wie ein roter Faden durch die Lyrics von “Be Good”. Die Platte beginnt mit sanftem Gesang auf dem Track “Disappear”, in dem Young seine innere Zerrissenheit thematisiert. Dieser ruhige, selbstreflektierende Ton hält sich allerdings nicht besonders lang. Bereits nach knapp einer Minute eskaliert der Song und Young darf endlich wieder seine typischen, aus voller Kehle geschrienen Vocals zum Besten geben. Die klingen auf der Platte
wie irgendwas zwischen Motivationscoach und Drill-Sergeant. Beim Hören des Albums kommen einem immer wieder Stichworte wie Trauer, Verzweiflung und Resignation in den Sinn, die von den wut- und schmerzverzerrten Schreien Youngs so gut transportiert werden, dass man sofort mitschreien möchte. Musikalisch und produktionstechnisch legt das Album einen klaren Fokus auf den Gesang.

Das ist wenig verwunderlich, da Sänger Ryan Young die Platte auch selbst produziert hat. Die Vocals werden wie ein Surfer von einer Welle aus verzerrten Gitarren und prügelnden Drums getragen. Die Instrumente sind durchweg relativ gleich laut abgemischt. Das sorgt für ein sehr ebenmäßiges Klangbild, auf dem sich der Gesang gut entfalten kann. Fans der Band werden sich mit den aggressiven Shreds und aufputschenden Drum-Beats sofort wohl fühlen, Überraschungen sucht man auf “Be Good” jedoch vergebens. Den einzigen akustischen Stolperstein bildet der Closer der Platte.

“Death” verzichtet auf Text und kommt mit einem episch anmutenden Half-Time-Groove daher. Kurz gesagt, Off With Their Heads erfinden auf “Be Good” zwar nicht das Rad, aber doch sich selbst ein Stück weit neu. Trotz der etwas positiveren Grundstimmung büßt die Platte im Vergleich zu den Vorgängern nichts an Intensität ein.

Fazit

6.2
Wertung

Wer angesichts der Aussage, “Be Good” - werde “anders”, erwartet hat, dass Off With Their Heads jetzt ihre progressive Phase einläuten, wird zwar herbe enttäuscht, der textliche Perspektivwechsel ist dennoch enorm erfrischend. Der Band bleibt so das Schicksal vieler Künstlerinnen und Künstler erspart, die nach Jahren auf Tour nur noch Songs über das Busleben und Backstage-Catering schreiben. Bei all der Selbstreflexion in den Lyrics fehlt mir aber dann doch ein bisschen musikalische Innovation.

Kai Weingärtner