Alex Mofa Gang und „Ende offen“: Seelenstriptease

Auf „Ende offen“ gewährt Alex seiner Hörerschaft einen tiefen Einblick in seine Seele. Das Album berichtet von der Reise des Burschen ins Ungewisse, von seiner Gefühlswelt und übt dabei auch Gesellschaftskritik aus. Es beschließt eine Trilogie und öffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten für eine komplett offene Zukunft.
914445.jpg

Alex Mofa ist die Hauptfigur in der Musik von Alex Mofa Gang. Die Songs der Band erzählen aus dem Leben der Figur, lassen tief in seine Seele blicken und legen seine eigenen Gefühle und die Geschehnisse in seinem Umfeld schonungslos offen. Alex kündigt zu Beginn der Platte seine Wohnung, zieht von der Provinz in die Stadt und begibt sich damit auf eine Reise, deren Ziel ihm unbekannt ist. Aufgrund dieser Begebenheit trägt das dritte Album der Berliner, genauso wie sein Opener, den Titel „Ende offen“. Bereits im ersten Song kündigt Alex an, jedes Detail seiner Reise aufzuschreiben um anschließend einen Song und ein Buch daraus zu machen - oder eben die Lyrics eines ganzen Albums, die Lyrics von „Ende offen“.

Die Geschichte des Albums erzählt von Menschen in Alex' Umfeld, von Situationen die ihm widerfahren und von Gedanken, die er sich über unsere Welt und deren Gesellschaft macht. Er erzählt in „Alles Robotisiert! (I Am In Love)“ von seiner Abhängigkeit von der Computertechnik, ohne die in der digitalen Gesellschaft der heutigen Zeit nichts zu funktionieren scheint und lässt dabei berechtigte Kritik daran durchschimmern. Alex hat mit dem Charakterzug Größenwahn zu kämpfen, setzt sich mit Fehlern in der Vergangenheit auseinander und fasst den Entschluss, die nächste Chance auf den Kuss der Herzensdame in der neuen Heimat endlich zu nutzen. „Düsenjäger“ kritisiert das Priorisieren von eigenen Problemen und das gleichzeitige Ignorieren von gesellschaftlichen, wie Ertrinkenden im Mittelmeer, aufs schärfste, auch politisch positioniert sich der Protagonist klar. „Erstmal für immer“ erzählt von Stroboskop und Zeltplatzglamour, vom die Seele aus dem Leib tanzen, während die letzte Band im Konfettiregen spielt. Der Text vermittelt pure Glückseligkeit, die im nächsten Song „Es ist vorbei“ abrupt in Trennungsschmerz mündet. Vor schnell aufeinander folgenden Hochs und Tiefs im Leben kann sich Alex auf seiner Reise, genauso wie sein Freund Ludger, nicht schützen.

Eine textlich erzählte Geschichte ist jedoch immer nur so gut wie die Musik, in der man sie wiedergibt. Hier gebührt Alex Mofa Gang die größte Anerkennung. Die Songs strotzen vor eindringlichen Melodien, die Pop-Band schafft eine riesige Bandbreite zwischen wundervoll gefühlvollen Versen wie in „Treibholz“ und den krassen Gegensätzen dazu wie „Es ist vorbei“ oder „Die Nacht ist Gold“, wo sie konsequent den Rock-Hammer auf die Hörerschaft niederschmettern lässt. Alle anderen Tracks platzieren sich irgendwo dazwischen, leben von Mitsingrefrains und fordern Tanzeinlagen, wenn in „Kleine Schwester Größenwahn“ die Bläser ihre Instrumente erklingen lassen. „Hinter den Fassaden“ schwirrt als vorab erschienene Single bereits seit Wochen im Kopf eines jeden, der den Song auch nur einmal abgespielt hat, umher. Die nun folgenden Titel werden sich in diesen Köpfen genauso einnisten. Widerstand ist zwecklos.

Fazit

8
Wertung

Das Album beschließt die erste Album-Trilogie rund um das Leben von Alex Mofa und setzt dabei Maßstäbe im Pop-Rock. Man lebt und leidet mit Alex, lässt sich von seinem Unmut über gesellschaftliches Denken anstecken und schaut schlussendlich positiv mit ihm in die Zukunft. Musikalisch lassen Alex Mofa Gang dabei keinen meiner Wünsche offen, wenn großartige Melodien und spannende Texte sich so gut ergänzen wie auf „Ende offen“.

Mark Schneider
7.8
Wertung

Robotisiert klingt die neue Patte von Alex Mofa Gang keineswegs, auch wenn einer ihrer stärksten Songs so heißt – eher originell und überzeugend auf voller Länge. Sie macht Spaß, sie reißt mit und ist authentisch. Die Fans können sich schon ungemein auf die nächsten Festivals freuen, ausreichend Songs zum Ausrasten bietet Alex Mofa Gang auf jeden Fall. Ob mit Bläsersatz, Frage-Antwort-Spiel zwischen Haupt – und Backgroundgesang oder dem ein oder anderen Mittelfinger. Live wie über Kopfhörer ist eine schöne Bandbreite abgedeckt und die Zuhörer*innen werden sich bemühen müssen, an öffentlichen Plätzen nicht lauthals mitzusingen. Verdammt noch mal, was macht dieses neue Album Spaß!

Jan-Severin Irsch