Exklusive Videopremiere: Kamee Kazee veröffentlichen "F32.2"

Kamee Kazee schreiben einen Song über Depressionen und unterlegen ihn mit einem bisweilen so knallbunten Video, das man die dahinterstehende seelische Dunkelheit kaum vermuten würde. Ein springender Punkt, der in der Lockdown-Anonymität wichtiger denn je ist.
Kamee Kazee

In Musikvideos zu unbeschwerten Sommer-Popsongs gibt es wohl kaum ein prägnanteres Klischee als das Rauschen der offenen See. Das Meer steht für Freiheit, Ausgelassenheit und Abschalten. Umso erstaunlicher, dass ein solches Gewässer auch in Kamee Kazees neuer Single "F32.2" ein zentrales Motiv darstellt - immerhin verweist der Titel des Songs auf die internationale Codierung für eine schwere Depression im Erkrankungsregister. Wie so oft trügt der Schein und die Band aus Leipzig lässt zwischendurch immer wieder durchblitzen, was unter der Oberfläche lauert. So wird etwa aus dem gelackten Bild einer knallbunten Cornflakes-Werbung eine Darstellung von Überforderung, indem einer der beiden Protagonisten in einer Badewanne aus ebenjenem süßklebrigem Frühstückssnack untergeht.

Musikalisch finden Kamee Kazee dabei zwischen melodischem Indierock und unterkühltem 80er-Postpunk ihre Mitte - eine durchaus interessante Kombi. Während die manisch repetierte Hookline "Sanity, sanity, sanity" an den beißende Emotionslosigkeit von Joy Division erinnert, entfalten die dazwischengeschobenen Parts wieder auch einen gewissen melodischen Groove, bevor sich das Finale schließlich wieder einer großaufgetürmten Klangwand inklusive zitterndem Synthie-Beat hingibt. Kamee Kazee schaffen damit musikalisch einen ähnlich divergenten Mental-Health-Kommentar, wie es dem Video gelingt. Diese Band könnte noch sehr spannend werden.