Im Kreuzverhör #47: Box Car Racer - "Box Car Racer"

Einmal monatlich stellt sich die Redaktion gemeinsam Platten außerhalb ihrer Komfortzone. Dieses Mal wirft Joe "Box Car Racer" von Box Car Racer in den Ring.
ab67616d0000b2732682e92c4fc9b95df0319c72.jpg

Ich mochte Blink-182 schon lange und habe abgesehen von Angels And Airwaves keines der Nebenprojekte der Mitglieder verfolgt. Das war ein Fehler wie ich gemerkt habe, als ich endlich mal in Box Car Racer reingehört habe. 2001 gegründet, bestand die Band nur zwei Jahre, wurde aber 2021 wiederbelebt. Hoffen wir, dass es nicht so ein Desaster wie bei Blink-182 wird. 

Tom und Travis haben auf dem Album gezeigt, wie eine düstere, unsichere und melancholischere Version von Blink-182 klingen kann und dabei ein paar echt gute Songs geschrieben. Songs wie "I Feel So" oder "Watch The World" sind schwermütig und hätte ich das Album in meiner Teenagerzeit gehabt, wäre es sicherlich noch öfter gelaufen, als es das jetzt schon tut. Es ist wütend und traurig und einfach nur genauso verwirrt, wie ein Teenager und junger erwachsener Mensch eben ist. Dabei hat es aber eben immer noch die bekannte Stimme von der Band, die am Abend gespielt wird, nachdem zu Hause in die Wand geschlagen wurde, und die Frage mit "What's My Age Again" lachend mitgegröhlt wird. Ich geh nicht mehr auf Partys, aber den Song fühle ich auch noch mit 33. Und genauso kann ich eben bei Box Car Racers Album mitfühlen. Es ist einfach gut gemachte Rockmusik mit simplen Texten, die aber teils einen wunden Punkt treffen können. 

Auch wenn die Band zwei Drittel von Blink-182 enthält, ist das Album mehr als ein gutes "Neighborhoods". Ich mein, wenn ich Travis Barker als Drummer gewinnen könnte, würde ich das auch tun! Doch "Box Car Racer" ist ein Album, welches ruhig sein kann, nur um dann plötzlich loszubrechen und einen recht guten Einblick in das Seelenleben von Tom in dieser Phase seines Lebens gibt. Geht noch nicht so viel um UFOs, wobei die Zeile "The Government Is Lying" in "All Systems Go" vermutlich schon eine Vorstufe dazu ist. Wer weiß.

Ich bereue es nach wie vor, nicht eher in das Album reingehört zu haben und werde aktuell nicht müde, es Menschen ans Herz zu legen. Es ist einfach ein sehr gutes Album. 

Irgendwie war mir Box Car Racer als Bandname ein Begriff und ich wusste auch, dass sie eine Blink-182-Connection haben. Vielleicht bin ich auch einfach zu jung dafür, aber ich habe mich nie so wirklich für Blink interessiert und dementsprechend noch weniger für irgendwelche Nebenprojekte. Aber was Tom und Travis mit diesem einen Album der Band fabriziert haben, hätte genau den musikalischen Nerv meines 15-jährigen Ichs getroffen. Ein bisschen hart und kantig ist „Box Car Racer“, hat aber gleichzeitig noch genug Melodie und Pop-Appeal, um niemanden zu verschrecken. Ob ich damals die offensichtlichen Einflüsse von Post-Hardcore-Bands wie Fugazi und Jawbreaker erkannt hätte? Ich bin mir unsicher.

Aber jetzt, sieben Jahre später, höre ich diese Bands rauf und runter. Dass es den Blink-Musikern in ihrer Jugend genauso gegangen sein muss, merke ich auf „Box Car Racer“. Und wenn das Album 2002 hoffentlich ein paar TRL-Core-Kids zu einer ähnlichen Erfahrung verholfen hat, hat es eine uneingeschränkte Daseinsberechtigung. Eine Sache, die man nicht über jedes Nebenprojekt erfolgreicher Musiker*innen sagen kann. (Und ich weiß, Joe wird sich aufregen, wenn ein Jungspund wie ich das sage, aber: Danke, dass du ein Album vorgeschlagen hast, mit dem ich mich mal wieder jung fühlen kann!)

Es ist eine absolut zufällig zustande gekommene Kombination: Mittagspause, Nudeln mit Käsesoße, Box Car Racer. Das so einfache wie großartige Format des Kreuzverhöres macht es möglich! Dass ich großer Fan des Formats bin ist lange kein Geheimnis mehr. Dennoch befürchte ich, wenn Joe das Album vorgibt, die eigenartigsten Dinge. Das ist gar nicht böse gemeint, vor einigen meiner musikalischen Vorlieben kann sich die Redaktion hier auch schon einmal vorab in Acht nehmen. So viel vorweg: Box Car Racer und ihr gleichnamiges Album haben mich entgegen meiner Befürchtungen eines Besseren belehrt.

Blink-182 sind mir natürlich ein Begriff. Wem nicht? Dennoch ist die Verbindung zwischen der Band und mir nie weiter intensiviert worden und beruht auf den Tracks, die nun einmal jede*r kennt und der Tatsache, dass ich jetzt einfach dreist behaupte, die Stimme des Sängers, dessen Name ich heute erst erfahren und gelernt habe, mit dem Bandnamen in Verbindung bringen zu können. Vielleicht. Ihr merkt, dass Blink, die beteiligten Musiker und ich eher entfernt bekannt als innig verbandelt sind. Und es ist der Moment, in dem ich diese Zeilen eintippe, in dem ich mich frage, warum das eigentlich so ist. Ich kann es nicht erklären, und dennoch trifft sowohl Hauptband als auch Nebenprojekt voll meinen Geschmack. Dass Box Car Racer ohne Schmirgelpapierbehandlung auskommen und sich dadurch etwas rauer anfühlen, kommt mir bei dieser Bewertung durchaus entgegen. Und so bleiben mir nach einer einsamen Mittagspause zwei Erkenntnisse: Die Käsesoße war super. Und "Box Car Racer" ist es ebenso.

Mit dem Kreuzverhör ist es ja oftmals wie mit einem Karton, den man irgendwann mal mit irgendwelchem Zeug gefüllt hat, das man jetzt gerade nicht mehr benötigt, aber auch nicht unbedingt wegwerfen will. Man guckt in die Telegram-Nachricht, öffnet den Spotify-Link und entweder springt etwas total Weirdes und/oder Dummes in den Algorithmus. Dann aber öffnet man in einem solchen Fall das Album und es entweicht ein ungläubiges „Ach ja, die gab es ja auch mal“.
Und das war meine Reaktion auf Box Car Racer und ihr gleichnamiges Album aus dem Jahre 2002. Sind ja nur schlappe 20 Jahre. Und nun ja, wie eigentlich alle Nebenprojekte von Leuten, die irgendwas mit Blink-182 zu tun haben, klingt auch das hier so, als hätte die Kultband wieder 'ein ganzes Album mit B-Seiten produziert, die aber allesamt ziemlich großartig sind. Ich hab das Album angefangen zu hören und dann nach dem zweiten Durchlauf erst wieder auf was anderes umgeschaltet, zu sehr hab ich dieses kleine Stück Nostalgie genossen. Vor allem der Introtrack „I Feel So“ schlägt so gut in mein Vergangenheitszentrum, dass ich ihn immer noch im Kopf habe. Ach ja, wie schön. So jetzt kann ich Box Car Racer aber auch wieder vergessen, zumindest für die nächsten 20+ Jahre und Platz machen, um demnächst an das nächste Blink-Side-Project erinnert zu werden!

Fazit