5 Jahre, 50 Platten: Die denkwürdigsten Alben der Woche (Teil 5)

  • Heaven Shall Burn - "Of Truth And Sacrifice"

    81dmpczbuelsl1500_0.jpg

    Wie es das Schicksal so wollte hatten sich Heaven Shall Burn ausgerechnet vor der großen Pandemie eine längere Auszeit genommen, die aber schließlich nicht in Unproduktivität, sondern in diesem Monolith eines Albums endete. Stagnation war immer ein Vorwurf, den man der Metalband aus Saalfeld gut machen konnte, aber "Of Truth And Sacrifice" demonstriert durch die Maximierung wirklich aller Parameter deutlich, was im Sound der Gruppe bis heute noch alles verborgen liegt. Elektronische und orchestrale Experimente runden eine beeindruckende Platte ab, die Metalcore ohne Härteeinbußen auf einem absoluten Zenitpunkt markiert.

    - Jakob Uhlig

  • Apaath - "Schere Zange Glück"

    ab67616d0000b2735c5e426e16b6cf564462cd2a.jpg

    Von der UdR-Band zu einem der Alben des Jahres 2020. Apaath haben hier nicht weniger als einen Meilenstein gesetzt. Sei es durch diesen absolut einzigartigen Sound, diesem Mix aus Core, Progressive Rock und die in Perfektion inszenierten akustischen Dissonanzen, oder seien es die unglaublichen textlichen Dissonanzen, die Brutales in Leichtigkeit enden lassen oder Banalitäten, die in absoluter Grausamkeit präsentiert werden. Schon jetzt legendär.

    - Moritz Zelkowicz

  • Enter Shikari - "Nothing Is True And Everything Is Possible"

    entershikaricover.jpg

    Noch nie haben es sich Enter Shikari leicht gemacht. Für ihre Musik gibt es kein vorgefertigtes Publikum. Aus der Metal-Community hagelt zu Beginn viel Kritik, denn alles was annährend nach Metal klingt darf ja bekanntlich keine Synthesizer haben und nur auf Gitarren produziert werden. So ein Quatsch. Schnell finden Enter Shikari ihren eigenen Sound und dafür werden sie von ihren Fans geliebt. „Nothing Is True & Everything Is Possible“ treibt diesen eigenen Sound auf die Spitze, ohne jemals abgehoben oder unzugänglich zu werden. Die Musik hat nur noch wenig mit Metal oder herkömmlichen Elektro zu tun. Es werden eigene Wege eingeschlagen. Das Album ist dabei stets selbstreflektiert - die Band schaut auf die eigene Karriere zurück und schafft gleichzeitig ihr konzeptionell stärkstes Album. Damit ist „Nothing Is True & Everything Is Possible“ unser Album des Jahres 2020.

    - Niels Baumgarten

  • Currents - "The Way It Ends"

    ab67616d0000b273111a4efc860777cce697098b.jpg

    Currents haben den Gänsehautfaktor drauf. Und das beweisen sie auf „The Way It Ends“ mit jedem einzelnen Song. Orchestrale, epische, riesengroße Klänge werden verbunden mit Shouts, die bis ins Mark dringen. Und die Texte erst, Tiefgründigkeit, dunkle Gedanken und dann mit „Better Days“ zum Ende des Albums wieder ein Lichtblick am Ende des Tunnels. Ein stimmiges Gesamtkonzept, das berührt.

    - Jannika Hoberg

  • Pabst - "Deuce Ex Machina"

    38660a96-bd17-41d9-93e1-aea5cc45092b.jpg

    2020 haben nur wenige Dinge Spaß gemacht, aber „Deuce Ex Machina“ gehörte definitiv dazu. Das zweite Album des Kreuzberger-Trios Pabst kam noch schmutzgier und energiegeladener daher als ihr ohnehin schon sehr gelungenes Debüt „Chlorine“ zwei Jahre zuvor. Ein kompromissloses Fuzz-Fest mit unverschämt catchigen Melodien und eine frische Hoffnung für das deutsche Saitenstreichler-Genre.

    - Felix ten Thoren

  • Run The Jewels - "Run The Jewels 4"

    ab67616d0000b273bed9d43f754cc05ae29c2c85.jpg

    Run The Jewels haben sich schon lange zur Aufgabe gemacht, die Hörerschaft politisch aufzuklären und sich aktiv gegen Hass von Rechts zu stellen. Mit dem Wiederaufleben der „Black Lives Matter“-Bewegung releast das Rap Duo das politische Äquivalent zum Protest. Mit tiefen Bässen und Trap Beats kreieren Run The Jewels ein musikalisches Bild und klären gleichzeitig über rassistische Systeme und rassistische Verankerungen in der Gesellschaft auf.

    - Paula Thode

  • The 1975 - "Notes On A Conditional Form"

    1975-notes-conditional-form.jpg

    Greta Thunberg als Feature auf einem Album liest sich zunächst etwas seltsam - seit wann macht sie denn auch Musik? Doch schnell wird klar - The 1975 haben eine Rede von ihr musikalisch unterlegt. Statements gegen den Klimawandel, gegen Fremdenhass und für eine bessere Welt werden auf diesem Album mit vielschichtigen musikalischen Richtungen begleitet. Die Band schafft ein Album, welches sich nicht einfach in eine Kategorie schieben lässt, aber auf jeden Fall überzeugt. 

    - Meret Stursberg

  • Sondaschule - "Lost Tapes 2"

    ab67616d0000b273a1319239305ec82bb9d7ce11.jpg

    Dass Sondaschule zwölf unveröffentlichte Songs ausgraben konnten, die definitiv das Zeug zum eigenständigen Album haben, sagt einiges über das konstant hohe Niveau der Band aus. Was schon beim ersten Versuch gelungen ist und die eine oder andere Hymne an die Oberfläche beförderte, klappt auch beim zweiten Anlauf hervorragend. Man muss fast schon kritisch hinterfragen, warum um alles in der Welt "Vorstadtarmageddon" oder "Schöne Grüße vom Meer" unseren Ohren bisher verwehrt blieben. Was bleibt, ist die Bitte an die Band, auch in Zukunft nichts verstauben oder in Vergessenheit geraten zu lassen. Danke vorab!

    - Mark Schneider

  • Biffy Clyro - "A Celebration Of Endings"

    716xvi4opblsl1425.jpg

    Widmen wir uns nun dem Frischfleisch in unserer Hitliste: Biffy (fucking) Clyro veröffentlichen ein Album dann, wenn sie es nach eigenem Dafürhalten für angebracht halten. Nahezu makellos und mit pompösem Einfallsreichtum. Die Schotten haben seit jeher das Überraschungsmoment für sich gepachtet und das hört man „A Celebration Of Endings“ in jeder Note an. Meint man, nach 30 Sekunden Spielzeit ein Songurteil fällen zu können, so wird man postwendend Lügen gestraft. Meint man, die Herrschaften seien milder geworden und würden sich zunehmend dem Mainstream anbiedern, mäht eine plötzlich Gitarrenwand jeden Zweifel erbarmungslos nieder. Auf diesem Niveau dürfen Biffy Clyro gerne noch ganz viele Platten vom Stapel lassen. Gereift und immer besser.

    - Marco Kampe

  • Idles - "Ultra Mono"

    idlesultramonoballnew3000px300dpi.jpg

    Auch auf ihrem dritten Album beweisen Idles, was sie zur besten Post-Punk Band unserer Generation macht. Ein treibender Bass, kreischende Gitarren und mit Sänger Joe Talbot ein Art Priester der Liebe, Toleranz und Empathie, der schreiend in unsere Gesichter predigt. Toxic Masculinity, Rassismus, Cat Calling und Homophobie hat in der Gemeinde der Idles nichts verloren. Die Musik ist roh und voll von schöpferischer Kraft. Idles ist die Band, die wir in unserem Leben brauchen.

    - Niels Baumgarten