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David Eugene Edwards & Alexander Hacke und „Risha“: Stelldichein der Großmeister

Di, 17.07.2018 - 14:34
Wenn zwei Ausnahmekünstler wie David Eugene Edwards und Alexander Hacke aufeinandertreffen, wird Großes erwartet. Mit „Risha“ erschaffen sie etwas Neues, das doch vorhersehbar schien.

Wer noch über die Namen der Musiker grübelt, dem dürfte spätestens bei der Erwähnung von Wovenhand / 16 Horsepower (David Eugene Edwards) und Einstürzende Neubauten (Alexander Hacke) ein Licht aufgehen. Beide verbindet nicht nur die gemeinsame Arbeit an diversen Projekten, sondern auch eine langjährige Freundschaft und gegenseitige Bewunderung. Mit „Risha“ verleihen sie ihrer besonderen Beziehung auch auf musikalischer Ebene Ausdruck und zelebrieren die Symbiose ihrer eigentümlichen Sounds.

Edwards‘ musikalisches Schaffen ist spürbar von seiner außergewöhnlichen Vergangenheit geprägt. Als Kind zog er mit seinem Großvater, einem Wanderprediger der Church of Nazarene, durch Colorado. Heute fühlt er sich sowohl der christlichen als auch der jüdischen Religion eng verbunden und verleiht seinem strenggelebten Glauben in lyrischen Songtexten Ausdruck, wie einst im Gewand der Folk-Gothic-Country-Klänge von 16 Horsepower.

Hacke schöpfte schon in jungen Jahren sein kreatives Potential in der Berliner Underground-Szene und machte sich nicht nur als Bassist von Einstürzende Neubauten einen Namen. Heute gilt er als Universal-Genie im Film- und Musikbusiness und ist für seinen experimentellen und genreübergreifenden Sound – von elektronischem Lärm bis hin zu wuchtigen Gitarrenwänden -  bekannt.

Die Vereinigung beider Stile klingt genauso, wie man sie sich vorstellt. Edwards übernimmt den Gesang und bespielt verschiedenste Saiteninstrumente, während Hacke elektronische Sounds, Bass und Drums beisteuert. Beide besinnen sich dabei auf ihre Stärken und beflügeln sich gegenseitig. Ihre langjährige Erfahrung wird deutlich spürbar und suggeriert, den Klang von „Risha“ hätte es seit jeher gegeben. Dunkel, mystisch, schwermütig, erhaben, hypnotisch und spirituell weben sie ein komplexes Klangkonstrukt, das die Hörenden auf magische Weise in ihren Bann zieht. Unerwartet sind allein die arabischen Einflüsse, die sich in Gestalt von orientalischen Rhythmen und Klängen den Weg durch atmosphärische Elektro-Beats und übersteuerte Gitarren bahnen. Mit „Triptych“ führen Edwards und Hacke behutsam in ihr Sound-Experiment ein und sorgen schon im darauffolgenden Titel „All In The Palm“ für den ersten Gänsehaut-Moment mit schier unbändiger dunkler Energie und einem pulsierenden Rhythmus. Das Hörerlebnis bleibt während der gesamten Platte aufregend anders, wirkt mit fortschreitender Dauer zuweilen etwas sperrig und läuft schließlich Gefahr, sich im dichten Schleier andersartiger Klänge zu verlieren. Gerade die elektrisierende Dynamik des Anfangs nimmt im Verlauf des Hörens ab. Während man zu Beginn noch von der ungeheuren Intensität gefesselt war, findet man sich später eher im hypnotischen Schwebezustand zwischen rituellen Gesangsfetzen und ausufernden Instrumentalparts wieder. Insgesamt bleibt „Risha“ jedoch, oder vielleicht auch gerade deshalb, ein außergewöhnliches Klangerlebnis, bei dem nicht nur Fans von Edwards und Hacke auf ihre Kosten kommen, sondern vor allem solche, die ihren musikalischen Horizont gern durch experimentelle Ansätze erweitern.