Konzertbericht: Jack Pott live im treibsAND Lübeck

Es ist voll im Treibsand Lübeck. Die Stimmung ist ausgelassen, die zwei Theken des Hauses betreiben ordentlich Ausschank und die Discokugeln glänzen, als wäre Weihnachten noch nicht vorbei. Ist es auch nicht. Denn Jack Pott haben zur Releaseshow Ihrer neuen EP "Adoleszenzgeschichten" eingeladen.

Als Opener spielt die Band Gordon Shumway und sorgt unter anderem mit einem Punkcover von “Sexbomb“ für die nötige Stimmung in den ersten Reihen. Als Jack Pott im Anschluss auf die Bühne kommen und ihre Show starten wollen, enthüllt die Band ihr alternatives Backdrop – kein Banner, aber dafür große, aus Holz gefertigte Buchstaben. Die Regenbogenflagge mit St.-Pauli-Aufdruck über den Synthie gehängt, kann es nun fast losgehen. Ein kleiner technischer Defekt an den Tasten verzögert den Beginn der Show um ein paar Minuten.

Doch Jack Pott bleiben cool, Frontsänger Alex witzelt mit dem Publikum und als die Band dann zum zweiten Mal die Bühne betritt und die Zuschauer und Zuschauerinnen mit dem Schlager “Herz an Herz“ von Blümchen für sich gewinnen, geht es direkt in die fast zweistündige Show über. Neben einigen Covern wie zum Beispiel “Schrei nach Liebe“ von den Ärzten kommen vor allem die eigene Songs gut an. Das schmeckt auch dem internationalen Besuch aus Österreich, Freunden und Familien, die alle für diesen Abend angereist sind. Bei ihrem Song “Schweiß“ bittet die Band darum, vor der Bühnen einen Kreis aufzumachen und sich „zart, langsam und behutsam auf die Fresse zu schlagen“. Im Pogo fließen Bier und Schweiß, und dabei ist nicht mal eine halbe Stunde rum. Dank Jack Potts guter Interaktion mit dem Publikum wird bei fast allen Stücken mitgesungen, getanzt oder gar Gäste auf die Bühne geholt. Eine Zuschauerin sagte „Man kann zu den für mich unbekannten Songs echt gut abgehen“ und bei dem Cover “500 Miles“ von den Proclaimers standen drei Gäste aus dem Publikum mit am Mikrofon.

Das für Jack Pott typische Augenzwinkern findet sich nicht nur in den Bühnenansagen, sondern auch in ihren Songtiteln wieder. So heißt ein neuer Track der Bad Schwartauer einfach “Roberto Geiß“, wo es heißt: „Ich wäre gern Roberto Geiß, verdien mein Geld mit Modescheiß“. Auch der vierte Song “Traurig Nr. 3“ihrer neuen EP überzeugt. Diesmal mit Akustikgitarre zu Beginn, aber schnell übergehend in die gewohnte Punkrockmanier heißt es im Refrain “Ey was ist denn so heiß an diesem Nazischeiß?“. Das perfekte Lied für die Show und eine gute Prise Ernsthaftigkeit. Faust hoch gegen rechts, so steht die Masse am Ende des Songs nach dem Circlepit da.

Im Anschluss wagt die Band ein Experiment. Die Instrumente werden an die jeweils anderen Bandmitglieder weitergegeben und es klingt immer noch gut. Das Krokodilgrinsen ist auf die Gesichter des Quartetts zurückgekehrt und so werden nun einige Sachen ausprobiert. Stagedive des Gitarristen Justin, ein großartiges Schlagzeugsolo von Drummer Leo und sogar die alte Besatzung aus früheren Bandzeiten wird auf die Bühne geholt, als Jack Pott damals noch Breathing Punx hießen.

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Zu guter Letzt startet die Band nach eineinhalb Stunden Bühnenshow das Finale und holt den Sänger der befreundeten Band DD3 auf die Bühne, um mit ihm und dem gesamten Treibsand zusammen ihren Hit “Alle meine Freunde“ zu singen. Mit Hilfe von Viva Con Agua singen sie als Schlusslied das Seefahrerlied und schunkeln in den Abend.

Im Backstage sprechen die vier Durchgeschwitzten ihre Liebe zueinander aus und und witzeln über sich selbst. Man merkt, dass die Chemie auch abseits der Bühne stimmt. Eine gut eingespielte Truppe, ein guter Freundeskreis und gute Musik. Bad Schwartaus einzige Punkband hat an dem Abend alle begeistert und wird bestimmt bald auch andere (Bundes-)Länder unsicher machen.