Konzertbericht: Baby of the Bunch in Dresden

Baby of the Bunch bringen endlich ihre erste LP heraus und gehen direkt auf Tour durch Deutschland. Ihren Halt in der Chemiefabrik Dresden lässt sich Dave nicht entgehen und sattelt seine Kamera, um das Riot-Wave-Quartett erneut live zu erleben.

Wir schreiben den 7.3.2019, in der GrooveStation Dresden hat die Indie-Rock-Band Abay zu ihrer „Love and Distortion“-Tour geladen und neben der Band GiiRL spielt auch eine Gruppe namens „Baby of the Bunch“ als Support für den Abend. Damals war die Formation aus Leipzig, Dresden und Berlin dermaßen nervös, dass sie von der Bandbetreuerin etwas getröstet werden muss. Der Gig verlief dann ohne Probleme und schon damals präsentierten sie eingängigen Riot!-Wave voller Energie.

Heute, über drei Jahre später, geht die Band selbst auf eine Tour und der Release ihres ersten Albums „Pretty But It Has No Use“ steht ebenfalls kurz bevor. Es fühlt sich immer besonders an, wenn man Künstler:innen so sehr auf ihrem Weg folgen kann. Aber kommen wir zum Hauptpunkt dieses Textes, dem Konzert in der Chemiefabrik in Dresden.

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Am Anfang war kurz Panik da. Alles verlief eigentlich nach Plan, ich komme an, hole mir etwas zu trinken, bereite mich und meine Kamera vor, doch vorerst bleibt es bei mir. Angesetzt war der Start des Supports um halb 9, fünf Minuten davor und ich sitze immer noch allein in der Location und langsam stellt sich ein Mitleidsgefühl ein. Wenn ich einer lokalen Band Zuschauer:innen wünsche, dann doch bitte diesen sympathischen Menschen. Nun wurde ich rasch danach beruhigt, die Leute strömten auf einmal in den jetzt nicht mehr so leeren Saal und der Support startete.

5RaumFenster aus Leipzig brachten den Abend ins Rollen. Diese waren kurzfristig eingesprungen, da Blood Sugar, der eigentliche Support, leider krankheitsbedingt ausfallen musste. Umso besser, dass die fünf Leipziger den Charakter eines einfachen Supports bei weitem übersteigen. Zu hören ist eingängiger Indie-Punk/Rock, welcher sich am leichtesten mit Bands wie Milliarden vergleichen lässt. Alle tanzen, alle springen, alle grölen. Dass die Chemiefabrik nur zu 20 Prozent gefüllt ist, merkt man nicht. Noch nicht mal, wenn der Blick von hinten nach vorn schweift und schon gar nicht, wenn der Schweiß zu tropfen anfängt und die geforderte Wall of Death auch wirklich so stattfindet, dass alle mitmachen. Ebenso beeindruckend ist das recht lange Set der sehr jungen Band. Man sollte 5RaumFenster definitiv im Auge behalten und das nicht nur wegen ihrer Bühnenpräsenz!

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Kurz mal aufs Klo, ne Flasche Limo exen und dann geht es auch schon los. Der Mainact Baby of the Bunch startet fulminant. Ihre (noch) aktuelle Single „Happy Here“ wird begleitet von viel Energie auf und vor der Bühne. Überall wird gesprungen, gepogt und mitgesungen, so laut es nur geht. Von der früheren Nervosität ist den Abend über nichts zu sehen. Alles, was aufkommt, ist pure Freude der Künstler:innen auf der Bühne und im Publikum gleichermaßen. Ihr kennt ja sicher alle diese gedroschenen Phrasen wie „Oh my gosh, I‘m so excited to be here, you guys are so awesome!“. Nun ja, so wenig, wie man es den Größeren glaubt, hier wirkte es mehr als authentisch. Die Bühne ist heute wirklich nur ein erhöhtes Stück Boden und kein Podest, das ist wundervoll. Die Energie zieht sich durch jeden Song, niemand auf der Bühne kann stillstehen und alles verläuft reibungslos. Und das, obwohl auch Baby of the Bunch einen krankheitsbedingten Ausfall am Schlagzeug haben. Trotzdem glänzen Brontë, Finja und Luca damit, dass sie nur so vor Lust und Laune strotzen und ihre abwechslungsreiche Setlist herunterspielen, als hätten sie das schon tausende Male getan. Dabei erklangen ganze 17 Songs, die von schnellen Krachern wie „Chapstick Girl“ oder „Make Out“ bis hin zum Sommersong „Let‘s Go Swimming“ oder melancholischen Liedern wie „UnderTide“ reichen und so für alle Gemüter und Stimmungen etwas bereithalten. Ebenfalls schön sind die zahlreichen Ansagen, Momente der Freude und das schiere Glück, das von der Bühne nur so auf das Publikum geschmissen wird. Alles in allem kann ich hier sagen, dass es wohl das persönlichste und 'wholesomeste' Konzert ist, dass ich je besuchen durfte.

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Um das alles noch mal kurz zu fassen. Baby of the Bunch gehen gerade einen Weg, der sie noch in Höhen bringen könnte, die vielleicht jetzt noch gar utopisch erscheinen. Ich sehe da ausverkaufte Clubtouren und weitere Alben, die von einer größer werdenden Masse an Menschen geradezu verschlungen werden. Ich würde würde mir wünschen und hoffen, dass Baby of the Bunch eines der nächsten großen Dinge werden. Durch ihre generelle Einzigartigkeit, ihr unverbrauchtes Genre und die absolute Sympathie würden sie es nämlich absolut verdienen. Und hey, als sie damals vor Abay gespielt haben, hätte auch kaum jemand erwartet, dass sie mal die Chemiefabrik füllen würden. Oder?