Konzertbericht Rogers in Nürnberg: Mo_Rogerz jagt das perfekte Foto

Wie man anhand meines Insta-Accounts nach kurzer Forschung herausfinden kann, bin ich ein riesiger Fan der Düsseldorfer. Und natürlich schauten die Rogers auch im schönen Frankenland bei ihrer „Mittelfinger für immer“-Tour vorbei, um mich zu besuchen. Was zu einem Konzerthighlight des Jahres werden sollte, wurde mehr als das – es wurde ein Abenteuer.

Jede Geschichte braucht einen Protagonisten, und der war diesmal ich. Auch ein Sidekick darf nicht fehlen, diesen Part übernahm mein geschätzter Arbeitskollege Max. Für ihn nichts Geringeres als sein erstes Punkrock-Konzert. Platz der Handlung ist der Z-Bau in Nürnberg, genauer gesagt: die Bühne des Salons. Es ist die mittlere Bühne des Gebäudekomplexes. Und doch war es schon sehr früh sehr eng. Für die erste Vorband des Abends wird es wohl ebenfalls eine merkwürdige Erfahrung gewesen sein. Nicht mal zwei Monate zuvor war man als Support von Betontod noch im deutlich größeren Hirsch, einem anderen Live-Club in Nürnberg gewesen, nun im doch eher überschaubaren Z-Bau. Doch zurück zur Geschichte. Was war das Ziel des Abends? Also abgesehen davon, selber einen guten Abend zu erleben. Die Challenge war diesmal besonders hart: Einerseits in einem knüppelvollen Club, ohne abgegrenzten Bereich ein gutes Foto zu schießen. Und natürlich dem Kumpel einen unvergesslichen Abend bereiten. Bei Punkt zwei machte ich mir gar keine Sorgen  Engst, Marathonmann und die Rogers würden schon nicht enttäuschen, also vollen Fokus auf das Bild. Nun bin ich ein absolut lausiger Fotograf, aber das eine Foto musste einfach her. Und schon standen Engst auf der Bühne und im Grunde war die Situation jetzt schon aussichtslos. Wir ganz hinten, an ein nach vorne kommen nicht mal zu denken. Spätestens bei ihrer Interpretation von „Friedenspanzer“ der selbsternannten besten Band der Welt, schwappten die Wellen des Pits auch bin zu uns nach hinten. Frustrierend, aber schön zu sehen, dass Engst es dann doch immer wieder schaffen, live zu überzeugen, wo mich ihr Debütalbum so gar nicht packen wollte. Kurze Umbaupause, die gerade einmal für Pfeffi und Bier reichte. Dann eroberten Marathonmann die Bühne im Sturm. Und wir waren mittendrin! Geschafft! Endlich in Position! Doch nirgends Schutz vor dem Moshpit. Immer wieder wurde ich an die Absperrung gedrängt, ein ziemlich ungewohntes Gefühl, normalerweise befinde ich mich ein paar Meter weiter hinten. An ein Foto nicht zu denken. Und dann doch die große Chance! Bei „Schachmatt“, dem neuen Track vom kommenden Album, nahm ich die perfekte Position ein, Serienaufnahme aktiviert, Finger am Auslöser, da ergreifen mich vier starke Hände und heben mich zum Crowdsurfing auf. Bild passé, aber dennoch jedes Mal aufs Neue ein überwältigendes Gefühl, über die Menge getragen zu werden!

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Stand jetzt: Kein Foto. Nicht mal ein verwackeltes! Dann aber jetzt, die Rogers kommen, neues Album, neues Intro. „Mittelfinger für immer“ beginnt, und die Menge eskaliert vollkommen. Das macht es mit dem Bild nicht leichter. Und es wird noch schlimmer, denn es ergießt sich ein knapper, halber Liter Bier über meine Hand und die darin befindliche Kamera. Diese begann auch recht schnell sich zu erhitzen, besonders in der Akku-Gegend. Schnell aus der Menge gedrängt, um den Schaden zu begutachten. Der war beträchtlich. Der Akku hatte sich einer äußerst unguten, Wärme bedingten Verformung hingegeben, die dünne Speicherkarte ebenfalls. Fuck! Ohne Akku lässt sich das Ausmaß nicht mal vollständig begutachten. Später werde ich feststellen, Speicherkarte zerstört, Akku auch, Kamera lebt, zumindest mit neuem Akku. Auch wenn die Frustrationsrate in diesem Moment im unermesslichen lag, kam ich doch zum Entschluss, wenigstens mein zweites Ziel voll und ganz zu erfüllen. Also zurück zu Bühne, aber was soll ich sagen, die Rogers sind ein Versprechen, dass nie gebrochen wird. Die Shows sind von einer wundervollen Herzlichkeit und Intensität, mein Kumpel Max hatte ein seliges Lächeln auf den Lippen, während er sich durch den Pit tanzte und die Texte, die er sich die wenigen Wochen vor dem Konzert drauf geschaffen hat, mitgröhlte. Die Rogers spielten sich einmal durch die Highlights des neuen Albums, bei „Zu Spät“ übernahm Michi von Marathonmann den Feature-Part von Ingo Donot, was überraschend perfekt gepasst hat. Aber natürlich durften im Set auch Rogers-Klassiker wie „Allein“, „Stiller Wunsch“ oder „Alles für Nichts“ nicht fehlen.

Abgesehen von einer großartigen Erinnerung an ein wundervolles Konzert bleibt trotzdem der bittere Nachgeschmack, mein großes Ziel verfehlt zu haben. Und eine Brandblase am Handballen. Tja, nicht jede Geschichte hat ein Happy End. Diese hier aber dann doch! Es war wie immer ein Fest.