Konzertbericht: FA!R in Siegen

Einmal ist bekanntlich immer das erste Mal. Nach dem Release ihres gleichnamigen Debütalbums am 09. September laden FA!R im Vortex Surfer Musikclub in Siegen zur Premierenshow und somit das allererste Mal zum Tanz.

Das erste Album der Band ist gerade einmal fünf Tage auf dem Markt, vorab veröffentlichten die maskierten Punkrocker FA!R nur drei Songs auf ihrem eigens für das Projekt neu erschaffenen Youtube-Channel. Um sich das ehrlichste aller Feedbacks für die eigene Musik abzuholen, muss man mit dieser jedoch rauf auf die Bühne und raus aus dem Proberaum. Erst dann weiß man als Musiker, wie tanzbar, wie partytauglich, wie infizierend die eigens kreierten Sounds für die Leute da draußen wirklich sind. FA!R haben sich für diese erste Feuertaufe das Vortex in Siegen ausgesucht und mit einer auf 100 Exemplare limitierten Vinyl-Version ihres Debütalbums ein ganz besonderes Andenken im Gepäck.

Der Eintritt ist heute Abend kostenlos. Vor dem Vortex tummeln sich bereits eine gute Stunde vor dem gespannt erwarteten Auftritt von FA!R einige Leute. Die Identität der Bandmitglieder ist für einige hier durch die schwarze Maskierung eine Unbekannte. Das Wetter lässt ein Verweilen im Außenbereich des Clubs an diesem Freitagabend auch im September noch zu, bei bester Stimmung werden Kaltgetränke genossen und Punkrockgespräche zelebriert. Hin und wieder trägt jemand eine neue Runde Getränke oder eine der auffälligen weißen Vinyls des Albums aus dem Club. Die Musik der Gruppe scheint schon vor dem ersten Auftritt nicht auf taube Ohren gestoßen zu sein, die immer zahlreicher ankommenden Gäste stützen diese These. Je näher der Auftritt rückt, desto voller wird es im Vortex.

Die Bühne ist mit einem weißen Vorhang abgehangen, in dessen Mitte wie auch im Logo der Band ein großes schwarzes Ausrufezeichen prangt. Das Publikum sieht bis zum Beginn des Konzerts nur die Schatten der Mikrofonständer. Die Silhouetten der Musiker tauchen dann zum Intro auf, das mit elektronischen Klängen und reichlich Strobo die Spannung im Raum bis ins unermessliche steigen lässt. Die ersten Akkorde zum Song „Nobody Cares“ lassen nicht nur den Vorhang vor der Bühne fallen, sondern offenbaren auch unmissverständlich, was die Leute im Vortex heute Abend erwartet. FA!R stehen nicht nur auf ihrem Debütalbum für schnörkellosen, druckvollen Punkrock, sondern bringen diesen auch eindrucksvoll und eins zu eins auf die Bühne. Das Publikum lässt sich von temporeicher Musik anstecken, sodass schnell Bewegung im Zuschauerbereich aufkommt.

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Die Setlist entspricht der Tracklist des Albums „FA!R“, lässt live performt aber Platz für wesentlich mehr Facetten zu. Während „Porn“ rufen die Jungs zu einem dann auch durchgeführten Circle-Pit auf, das wohl bei allen bekannte „All Star“-Cover von Smash Mouth wird vom Publikum inbrünstig mitgesungen. Zum Song „Lonesome Loser“ betreten zwei bedrohlich wirkende Kerle in weißen Overalls und weißen Sturmhauben die Bühne, um pünktlich zum Refrain Konfetti durch den Club zu schießen. Eine witzige Kontroverse und nach Meinung der Band eine Maßnahme, um ab jetzt weiches Fallen beim Pogo zu gewährleisten. Es darf also ohne Berührungsängste weiter getanzt werden. Die kurz ausgefallene Gitarre ist das einzige Vorkommnis dieser Art und wird mit zwei bis drei lockeren Sprüchen überspielt. Nachdem das Outro nach einer kurzweiligen Dreiviertelstunde aus den Boxen dudelt, performen FA!R mit „Stickin In My Eye“, im Original von NOFX, ein weiteres Cover. Auch wenn man das Album von FA!R bereits kennt, darf man sich also auch über etwas Neues auf die Ohren freuen.

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FA!R tätigen nach ihrem Konzert einige ehrlich gemeinte Danksagungen, zum Beispiel an das Vortex und jeden einzelnen Besucher heute Abend. Man merkt der Band die Freude und Erleichterung über den Erfolg der Show an, mit dem im Vorhinein keiner der Jungs laut eigener Aussage auch nur im Ansatz gerechnet hätte. Unter dem Strich blickt man nach dem Konzert ausschließlich in glückliche Gesichter, als „DJ Sklave“ im Anschluss zur Punkrockparty lädt.

Wer steckt eigentlich unter den schwarzen Masken? Eine Frage, welche wie ein unsichtbarer Schleier über dem Abend lag. Wer sich mit einer der (noch) aktiven Bands im Siegener Raum beschäftigt hat, wird zumindest einen markanten Anhaltspunkt finden. Der Rest wird sich ergeben. Oder auch nicht. 

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