Konzertbericht: Deichkind in Hamburg

Dass Deichkind keine gewöhnliche Band sind sollte jedem klar sein, der sich die Songs der Band anhört oder sich die Musikvideos anschaut. Aber dass diese Verrücktheit auch genau so auf die Bühne übertragen wird, lässt einen erstaunt das Konzert verlassen und die Frage aufkommen, was genau da eigentlich in den letzten drei Stunden passiert ist.

Ausgefallene Outfits, gemischt mit einer hektisch chaotischen Choreographie, die aber bis auf den letzten Fingerzeig geplant ist. Das sind Deichkind. Es ist schon fast verwundernd, dass die Band sich nicht einfach "Provokation im großen Stil" genannt hat. Beim Betreten der Arena wird bereits klar, dass dies kein gewöhnliches Konzert mit ein paar Moshpits sein wird. Es ist so wie auf den Campgrounds der Festivals: Inmitten von Flunkyballturnieren und Menschenmassen mit dreieckigen Masken drängen sich die Leute nach vorn, um einen guten Blick auf die Show zu ergattern. Schon der Beginn des Konzerts gestaltet sich, anders als bei anderen Bands, ohne Vorband und dafür mit einem Kurzfilm, in welchem ein Mann in blaue Farbe getunkt und dann mit einem Kran über den Boden geschliffen wird. Die Masse der Fans ist verwirrt, wenn nicht schon von Beginn an leicht verstört. Als dann aber der Vorhang fällt und Deichkind die Menschen begrüßen, wandelte sich die Stimmung von einem eher verwirrten Publikum zu einer tobenden Menge. Deichkind hat die Menge schon ab dem ersten Song in ihren Fängen und wird sie daraus auch erst wieder nach dem Konzert loslassen.

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Obwohl die Vorstellung des ersten Songs eher minimalistisch gehalten wird, sind die Fans voll am Start und direkt am ausrasten. Die Band hat heute wohl mehr Outfitwechsel an einem Tag, als mancher in einer Woche. Um die Umbaupausen zu füllen werden zum Teil Ringkämpfe zwischen den Tänzern veranstaltet, oder eben eine kleine Catwalk Show zum Überleiten. Die Show ist genauso aufgebaut wie die Musikvideos. Von den Kostümen, der Choreographie und allgemein der Stimmung, all das wird auf der Bühne performt und erweckt so eine Art Musicalgefühl. Da Deichkind in ihrer Show viel mit Doubles arbeiten, muss man aufpassen, ob man jetzt einem Deichkind-Sänger zujubelt, oder ob es doch nur einer der Tänzer ist. Dieses geplante Chaos auf der Bühne ist es, was die Barclaycard Arena mit Menschen füllt, die sich auf von dieser Bühnenshow verwirren und zum Teil auch verstören lassen.

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Deichkind legen sehr viel Wert auf Provokation und so findet man sich wieder in einer Art Traum, in dem drei Meter hohe Alumänner, Gestalten in Anzügen aus Smartphones oder riesige Köpfe mit leuchtenden Augen auf einer Bühne tanzen. Das Konzert könnte man auch in ein Museum verlagern und es zu einer musikalischen Untermalung einer Banksy-Ausstellung machen. Durch ihre verleitende Art zur völligen Provokation schaffen es Deichkind, das Publikum in ihren Bann zu ziehen und leiten es durch eine Show voller Verwirrung und der puren Lust darauf, das Publikum mit einem Fragezeichen im Gesicht die Arena wieder verlassen zu lassen.