The Wombats und "Beautiful People Will Ruin Your Life": Verschenkte Chance

Anstatt dem Indie-Rock wieder zu altem Glanz zu verhelfen, wärmen The Wombats gewohnte Klänge wieder auf. Das Ergebnis macht gute Laune, vermag allerdings nicht viel mehr zu leisten.
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The Wombats machen ihrem Namen alle Ehre – genau wie die süßen Beuteltiere mit ihren Knopfaugen möchte man auch die Liverpooler Jungs am liebsten richtig doll drücken!  Unbeschwert, unkompliziert und unterhaltsam ist der Sound ihres neuen Albums „Beautiful People Will Ruin Your Life“ und geht dabei direkt ins Ohr. Wahre Indie-Hymnen, zu denen man in ausgewählten Clubs noch immer ausgedehnte Tanzeinlagen probt, waren seit jeher die Stärke der Wombats. Auch auf zahlreichen internationalen Festivals gehört das Trio bereits zum Inventar und spielt sich in die Herzen ihrer Fans - immer gut gelaunt, musikalisch versiert und mit einem ständigen Augenzwinkern zwischen den Zeilen ihrer Lyrics gelten The Wombats als ultimative Tanz- und Stimmungsgaranten.

Auf ihrer aktuellen Platte schalten sie allerdings einen Gang herunter und liefern elf eher homogene Songs, die sie ein wenig erwachsener und ruhiger – dafür aber auch eintöniger – wirken lassen. Mit der gelungenen Vorab-Auskopplung „Lemon To A Knife Fight“ findet sich die obligatorische tanzbare Nummer auf dem Album, die einen dennoch etwas wehmütig an vergangene Erfolge wie „Kill The Director“ oder den Vorzeigehit „Let’s Dance To Joy Division“ denken lassen.

Man hat das Gefühl, dass die Band während des gesamten Albums mit angezogener Handbremse performt und das Potential von Songs wie „I Only Wear Black“ ungewollt verschenkt. Zwar treten Gitarrenklänge wieder deutlicher in den Vordergrund, ohne die Synthie-Elemente völlig außer Acht zu lassen, dennoch wird die hierdurch erhoffte Energie nie völlig freigesetzt. Lieder wie „Dip You In Honey“ plätschern sowohl textlich als auch musikalisch vor sich hin, ohne große Emotionen beim Hören auszulösen. „Lethal Combination“ und auch „Black Flamingo“ klingen zu Beginn nach bemerkenswerten Ausreißern, entpuppen sich aber schnell als genauso radiotaugliche und weichgezeichnete Titel wie die meisten anderen Songs der Platte. Auf diese Art und Weise fordern The Wombats ihrer Hörerschaft keinerlei Bemühungen ab, um sich auf das neue Album einzulassen. Von Anfang bis Ende kann die breite Masse getrost mitnicken, ohne sich an Ecken und Kanten zu stoßen, von Raffinesse überrascht zu werden oder starke Stimmungswechsel verarbeiten zu müssen – was „Beautiful People Will Ruin Your Life“ zur idealen Hintergrundmusik werden lässt. Nicht immer muss Musik weltverändernd oder tiefgründig sein, manchmal reicht es auch aus, sich die verschiedensten Alltagsbeschäftigungen mit eingängigen Indie-Klängen zu versüßen. Damit haben The Wombats zwar nicht den erhofften Volltreffer gelandet, dürfen aber sicher weiterhin gute Laune auf sonnigen Festivals und bunten Indie-Partys verbreiten.

Fazit

4.9
Wertung

The Wombats erlauben sich keine großen Schnitzer, können mich aber dennoch nicht vollends überzeugen. Echte Indie-Liebhaber würden ihnen vielleicht sogar einen Punkt mehr zugestehen, die ganz große Begeisterung bleibt allerdings aufgrund fehlender Originalität aus.

Sarah Ebert