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Whitechapel und “The Valley”: Schuster, verprügel deine Leisten

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Mo, 08.04.2019 - 11:33
Whitechapel als reine Deathcore-Band zu betiteln würde der Bandbreite, die die Band auf “The Valley” darbietet, nicht gerecht werden. Die Amis pöbeln sich mit feinen Schwedengrooves, Highspeed-Geknüppel und Breakdowns durch Deathmetal-Parts, hätten bei den Balladen allerdings gerne zurückstecken können.

Nach einem kurzen Intro wird direkt mit Blastbeats losgeballert, die tiefen Gitarren und das Gegrunze von Sänger Phil haben hier direkt schon Grindcore-Züge. Würde der Song dieser Linie folgen, wäre es ein starker Einstieg, leider ist da noch dieser verdammte Mittelteil. Hier wird das Tempo abrupt auf Schrittgeschwindigkeit gedrosselt, die Gitarren spielen plötzlich harmlose Zupfmelodien und der brutale Gesang wird auf einmal clean. Generell wirkt alles, was nicht geschrien ist bei Whitechapel, etwas platt und aufgesetzt. Nicht, dass der Mann keine Töne trifft, es fehlt einfach an Emotionalität.

Ein frühes Highlight der Platte ist “Brimstone”, ein lupenreiner Stampfer der Marke Obituary, der einfach straight von A nach B walzt und nur verbrannte Erde zurücklässt. “Hickorey Creek”, die erste Ballade auf “The Valley”, wirkt hingegen völlig deplatziert. Der Song klingt eher nach den aktuellen Disturbed oder auch nach Five Finger Death Punch. Im Kontext des Albums wirkt “Hickorey Creek” fehl am Platz oder wie das Management sagen würde: die Single-Auskopplung.

Bei “We Are One” geht es noch einmal zurück zu den Wurzeln: Geballer, Geballer, Geballer, China-Becken Breakdown, Geballer, Geballer, China-Becken-Breakdown (aber langsamer!), Ende. Macht Spaß. Generell kommen Whitechapel aber ohne die Deathcore Klischees aus und verorten sich auf “The Valley” eher im Deathmetal, natürlich sehr modern aber immer wieder mit schönem Oldschool-Groove (“Lovelace”). Der letzte und längste Track “Doom Woods” schraubt das Tempo erneut zurück und schleppt sich mit, wie der Name schon vermuten lässt, langsamen Doom-Riffs dem Ende von “The Valley” entgegen. Nach fast sechs Minuten endet der Song und mit ihm auch das Album, alles wirkt schlüssig, ein perfekt gewählter Abschluss.