Weezer und "Weezer" (Black Album): Es tut noch immer weh

Die letzten zwei Jahre lebten die Weezer-Fans in einer schrecklichen Mischung aus Hoffnung und Angst. Nach dem „Pacific Daydream“-Debakel steht nun das lang ersehnte „Black Album“ an. Und auch wenn der Großteil der Anhänger weint und flucht – es ist ein überraschend gutes Album.
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Weezer sind in ihrer Bandgeschichte zu einem richtigen Mythos geworden. Alles, was sie angefasst haben, wurde irgendwie zu Gold, besonders wenn es um ihre farbigen Self-titled-Alben ging. Doch dann kam „Pacific Daydream“, von Kritikern und Fans hauptsächlich mit Verachtung quittiert. Das Album, welches eigentlich gar nicht hätte erscheinen sollen. Denn das „Black Album" wurde lange erwartet. Der harte und böse große Bruder des „White Album“, eine Reinkarnation, ein Reminiszenz von „Pinkerton“. Einer der vielen Mythen dieser Band. Dieses lyrisch wie musikalisch raue Bollwerk.

Doch dazu ist es nicht gekommen. Das macht gleich die erste Single des Albums klar. „Can’t Knock The Hustle“ begrub die Hoffnungen der Weezer-Fans, kann aber sonst überzeugen. Es ist nicht mehr der klassische Rock-Sound, sondern eher Pop, in den sich ein wenig Rock geschlichen hat. Doch die Single und auch alle weiteren, die folgten, hatten Substanz und machten Spaß. Aber eben anderen Spaß. Die Texte sind gewohnt witzig und unterhaltsam, wie das übertrieben ehrliche und somit böse „I’m Just Being Honest“. Musikalisch ist das der Puls der Zeit und das ist es, was am meisten schmerzt. „Can’t Knock The Hustle“ ist mit seinen Soul- und Latin-Einflüssen auch der absolut perfekte Start in die Platte. Der „Hasta Luego“-Chorus brennt sich so schnell in den Kopf, den bekommt man auch so schnell nicht mehr raus. Mit „Zombie Bastards“ geht es auch hervorragend weiter, der rhythmische Pop-Rock ist unterhaltsam und die düstere Thematik steht in einem wunderbaren Widerspruch zum heiteren Sound. Den Höhepunkt findet das Album dann in „High As A Kite“ das wieder einmal einen weezer-esken Ausflug in die 80er und 90er macht. Musikalisch geht es danach eher bergab. „Living In L.A.“ biedert sich leicht an, doch der König der Nerds, Rivers Cuomo, holt tatsächlich noch etwas aus den seichten und langweiligen Instrumentals heraus. Doch es sind eben diese 80er- und in „Piece Of Cake“ sogar 70er-Reminiszenzen, die den Sound vom allgemeinen Radiogedudel abheben. Bei genauerem Hinhören lassen sich auch Parallelen zum Stil von „Blurryface“ von Twenty One Pilots zu erkennen. Weezer passen sich dem musikalischen Zeitgeschehen an, nehmen sich aber raus, womit sie diesen umgehen können. Ein großer Fortschritt im Gegensatz zu „Pacific Daydream“.

Weezer entwickeln sich wieder weiter. Nachdem die Neuerfindung auf dem Vorgänger ziemlich missglückt ist, versöhnt das „Black Album“ wieder. Denn auch wenn der Alternative Rock passé ist, so spielt die Band nun intelligenten und unterhaltsamen Pop. Auch wenn das Album ein anderes ist, als es ursprünglich hätte sein sollen.

Fazit

6.7
Wertung

Ich muss gestehen, ich habe mir ein anderes Album von Weezer gewünscht. Doch mit einem möglichst neutralen Blick auf die Platte lassen sich seine Vorzüge erkennen. Es ist ein Pop-Album. Es macht Spaß, es unterhält. Nicht mehr, nicht weniger.

Moritz Zelkowicz