Weekend und "Lightwolf": Authentizität vor Geld

Authentizität sucht man bei den meisten deutschsprachigen Mainstream-Rappern vergeblich. Diese Maske will sich Weekend nicht aufsetzen und rappt auch in seinem neuen Album realistisch über aufflammende Diskussionen der Gegenwart.
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Authentizität sucht man bei den meisten deutschsprachigen Mainstream-Rappern vergeblich, stattdessen wird über Geld, Drogen und Sex gerappt, damit man sich ja nicht mit sich selbst auseinandersetzen muss. Diese Maske will sich Weekend nicht aufsetzen und rappt auch in seinem neuen Album realistisch über aufflammende Diskussionen der Gegenwart.

In „Lightwolf“ analysiert Weekend kritisch das Verhalten der Gesellschaft in der Gegenwart und stellt sich bewusst gegen das Mainstream-Rapper-Image mit Goldkette und Rolex. Bekannt vom Hip-Hop-Underground ist der „Outlaw“-Move des Rappers. Sich als Rapper nicht durch Statussymbole und die Anzahl der Frauen, mit denen man geschlafen hat zu identifizieren, könnte zwar dem Erfolg in der Mainstream-Musikwelt schaden, doch Weekend nutzt seine Plattform gekonnt, um gesellschaftskritische Themen anzusprechen und mit seinem sehr mitreißenden Flow zu behandeln.

Mit Punchlines gegen den 0815-Deutschrapper und seine geldgeilen Texte geht Weekend zusammen mit dem Featuregast Fatoni vor. Dabei harmonieren beide Rapper mit ihrer Stimme und ihrem Flow. Es geht um das Problem einiger Rapper*innen, die im Internet und hinter dem Rücken über andere lästern, dann aber beim Treffen im Backstage-Bereich so tun, als hätten sie nie ein schlechtes Wort über jemand anderes verloren.

„www.internet.de" klingt wie ein Mix aus Drangsal und Kraftklub. Im Track rappt Weekend über die Menschen, die sich unnötig im Internet aufspielen und Hass verbreiten, weil sie eben nicht wissen, was sie sonst mit ihrem Leben anfangen sollen. Das Internet lenkt einen von den eigenen Problemen ab und man kann kostenlos überall seine Meinung dazu abgeben.

Der authentische Rap stellt eine Art Kontrastprogramm zum Mainstream-Rap her. Weekend bewegt sich dabei zwischen Punchlines über das Alleinsein und dem Zerstören fragiler Männlichkeit durch harte Beats und den bekannten lockeren Flow.

Fazit

8.6
Wertung

Mit harten Beats und einem lockeren Flow beschert uns Weekend mit "Lightwolf" das Kontrastprogramm zum Statussymbol-Rap und überzeugt mit seiner kritischen Sichtweise auf aktuelle Themen.

Paula Thode
8
Wertung

Das Antitoxin für Alpha-Seminar-Besucher. Rap ist wieder weich und weicher Rap wieder fresh.

Felix ten Thoren