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Von Wegen Lisbeth und „sweetlilly93@hotmail.com“: Skurrile Instrumente

Mo, 13.05.2019 - 18:32
Indie-Pop mit guter Laune und Wortwitz, dazu ungewohnte Klänge präsentieren Von Wegen Lisbeth auf ihrem zweiten Album.

Schon der Titel der neuen Von-Wegen-Lisbeth-Platte sorgt für Schmunzeln, aber auch etwas für Irritation. Interesse weckt er allemal, wenn das nicht schon die erste Vorab-Single „Lieferandomann“ getan hat. Schon auf ihrem Debüt „Grande“ präsentierten die Berliner gut gelaunten Indie-Pop mit ebenso gut durchdachten Texten. Die Erwartungen an den Nachfolger sind dementsprechend hoch. Kann „sweetlilly93@hotmail.com“ sie erfüllen?

Auffällig ist direkt die Instrumentierung. Schon im Opener „Wieso“ werden Synthi-Klänge im 80er-Jahre-Stil vom Xylophon begleitet, darüber wiederholt Matthias Rohde immer wieder den Titel. Es ist aber keine Frage, sondern eine Erklärung: „Du weißt, wieso.“ Mit Worten umgehen können die fünf jungen Männer. Immer wieder geht es, wie auch im Titel, um das Internet. So heißen die Songs „11 Minuten“ oder „Alexa gib mir mein Geld zurück!“. Und auch die „Sweet Lilly“ selbst bekommt ihr eigenes Lied. Die scheint gar nicht so süß zu sein. Mit Ironie und Wortwitz üben Von Wegen Lisbeth pointierte Gesellschaftskritik, bei der es um die kleinen alltäglichen Dinge geht anstatt um große, politische Themen.

Dazu gibt es immer wieder ungewohnte Instrumente wie das Xylophon von „Wieso“ und die Synthi-Klänge. Zuerst sind die Melodien noch schnell und tänzerisch, aber Von Wegen Lisbeth können auch ruhiger und offensichtlicher nachdenklich („Staub und Schutt“). Ruhige und verspielte Songs wechseln sich ab, sorgen für eine gute Mischung. Nach 13 Tracks und guten 40 Minuten ist das Album mit der E-Mailadresse als Titel dann um.

Die Antwort auf die anfangs gestellte Frage lautet also ganz klar: Ja, Von Wegen Lisbeth erfüllen die Erwartungen. Der gewohnte Wortwitz ist da, ebenso wie die Leichtigkeit der Musik. Das Album ist teils etwas ausgeflippter als der Vorgänger, eine Entwicklung ist zu hören.