Vitja und „Thirst“ - Alles auf Null

Der Weg von Vitja hätte steiniger nicht sein können. Das letzte Album im Allgemeinen als Mittelmaß abgestempelt, die Tour im Vorjahr abgesagt. Doch mit "Thirst", dem vierten Album, wird alles anders. Wirklich alles.
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Wahrscheinlich ist es der mit Abstand einschneidendste Wechsel in der Bandbesetzung: ein neuer Sänger. Wie das bei der geneigten Hörerschaft ankommt, wird von eben dieser sehr kontrovers diskutiert. Man erinnere sich an Killswitch Engage, wo diese Diskussion wohl niemals enden wird. Doch mit Gabriel Spigolon haben Vitja ihren neuen Sänger präsentiert; eine Besetzungsänderung mit Folgen.

Denn schon der Start in „Thirst“ ist melodischer und geordneter als alles zuvor Dagewesene. Nahmen sich die Vorgänger, besonders „Mistaken“, noch in einem beinahe extremen Maße der elektrischen Einflüsse an, so besinnen sich Vitja ihrer Stärken: starke Riffs und ein unglaublich guter Sänger. „Light Blue“ präsentiert Letzteres eindrucksvoll und lässt die unvorbereitete Hörerschaft erst einmal sprachlos zurück. Die Riffs werden in „Silver Lining“ gezeigt und auch ein gern gesehener Gast hält Einzug. Carlo Knöpfel, von der viel zu früh aufgelösten Band Breakdown Of Sanity, unterstützt mit seinen Shouts. Was diesen Track aber tatsächlich so sensationell macht, ist, was er unterschwellig erzählt, denn er ist eine stilistische Reise durch die jüngere Geschichte des Metalcores. Von dem Anfang, als regelrechter Old School Core mit dem brachialen Einstieg von Knöpfel, bis hin zu dem poppig anmutenden Chorus von Spigolon.

Was darauf folgt, ist auf dem besten Weg zum sogenannten Szenehit. „Mistakes“ fällt mit seiner noch eingängigeren, ruhigeren Art ziemlich aus der Reihe. Außerdem wirkt es partiell so, als wäre explizit der Bass herausgeregelt worden. Trotzdem muss man anerkennen, dass das Ohrwurmpotential enorm ist. Ob das auf einer solchen Platte gut oder schlecht ist, sei dahingestellt.

Auch wenn sie nicht wirklich weg waren, so hatte die erste Singleauskopplung „Back“ regelrechten Comeback-Charakter. Diese neue instrumetale Raffinesse, die sich durch das ganze Album zieht, fängt „Back“ ganz besonders ein. Vor allem das Riff im Zusammenspiel mit dem ausgefeilten Drumpart weiß ebenso zu beeindrucken wie zu begeistern. Auch der kleine Breakdown, der unaufgeregt und wie aus dem Nichts hereinbricht, macht „Back“ zu einem Highlight auf „Thirst“.

 

„Thirst“ leitet ein neues Kapitel in Vitjas Bandvita ein. Und es hätte kaum besser kommen können. Sänger und Band haben sich gefunden und haben den Sound im nötigen Maße umgekrempelt. Auch wenn es kein Debüt ist, ein wenig fühlt es sich so an - und zwar wie ein verdammt starkes.

Fazit

7.3
Wertung

Das Album, welches der Band schon früher gutgetan hätte! Der ausgefeilte neue Sound weiß wirklich zu begeistern und wird auch live zünden, denn Livequalitäten haben Vitja schon seit jeher bewiesen.

Moritz Zelkowicz