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Turbostaat und „Nachtbrot“: Konservierte Ekstase

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Mo, 07.01.2019 - 10:56
Nachdem Turbostaat bereits zu ihrem 15-jährigen Bandbestehen einiges an Einfallsreichtum bewiesen, waren die Erwartungen zum bevorstehenden 20. Jahrestag besonders hoch. Diese dürften mit „Nachtbrot“, dem ersten Live-Album der 5-köpfigen Band, problemlos erfüllt werden.

Als Turbostaat im letzten Jahr ihr Nachtbrot-Vorhaben ankündigten, ging alles ganz schnell. Der treuen Fangemeinde wurde bereits vor der offiziellen Veröffentlichung eine Mail mit den wichtigsten Infos und einer Ticketkauf-Option zugesandt. Innerhalb kürzester Zeit war die zweitägige Jubiläums-Party ausverkauft und wurde deshalb um einen dritten Termin ergänzt.

Was sich dann Mitte Mai im Conne Island und Leipzig ereignete, war in jedem Fall ein denkwürdiges Spektakel. Von Beginn an herrschte eine eigentümliche Atmosphäre, die zunächst von gespannter Vorfreude und später von enger Verbundenheit und echter Euphorie geprägt war. Anlässlich der Aufnahmen für das erste Live-Album der Band, fanden sich Fans von überall her in Leipzig ein und sorgten für unvergessliche Momente.

So spielten und sangen sich nicht nur die fünf Musiker, sondern auch das Publikum in Ekstase. Der frenetische Jubel und die Textsicherheit aller Anwesenden sorgte dafür, dass die ersten Aufnahmen beinahe unbrauchbar klangen und die Band im Getöse zu versinken drohte.

Auf „Nachtbrot“ gelingt es Turbostaat, mithilfe des Produzenten und Weggefährten Moses Schneider, die Ausdrucksstärke der Menge mit den Stimmen der Musiker in Einklang zu bringen. Besonders bei Titeln wie „Wolter“, „Pennen bei Glufke“, „Sohnemann Heinz“, „Harm Rochel“ oder „Insel“ ist das gewaltige Zusammenspiel von Publikum und Band eindrucksvoll zu hören. Als Dank werden alle Konzertbesucher im 60-seitigen Booklet namentlich verewigt sein.

Wer das Glück hatte, wenigstens einen der Abende miterleben zu dürfen, wird beim Hören der 21 ausgewählten Songs unvermittelt an die einzigartige Stimmung im Conne Island erinnert. Doch auch jene, die beim Ticketkauf zu langsam waren, werden von den authentischen und mitreißenden Live-Aufnahmen begeistert sein:

„Nachtbrot“ ist eine Reise durch die 20-jährige Bandgeschichte, die sich durch Songs aller bisherigen Alben auszeichnet. Das insgesamt recht ausgewogene Song-Repertoire bedient sich hauptsächlich der Alben ab 2007 und enthält nur vereinzelt Titel der beiden ersten Platten „Flamingo“ und „Schwan“. Einzig bei „Kriechkotze“ handelt es sich nicht um einen Song aus der Feder Turbostaats, sondern um das Cover einer befreundeten Band aus früheren Tagen: Dellwo.

Ansonsten konzentriert sich das 82-minütige Album auf die schnörkellose Darbietung der großen Turbostaat-Meilensteine. Die einzelnen Songs werden bis ins letzte Detail originalgetreu präsentiert und neben der knappen Begrüßung und der stets gleichen letzten Worte, haben es kaum nennenswerte Ansagen auf die Platte geschafft.

Turbostaat kreieren so zwar kein neuartiges Werk, hatten allerdings auch nicht den Anspruch, mit Nachtbrot eine Weiterentwicklung der Band zu vollziehen.

Vielmehr handelt es sich hierbei um den Rückblick auf eine unverhofft beständige und erfolgreiche Bandgeschichte, um das gemeinsame Schwelgen in Erinnerungen und darum, sowohl der Band selbst, als auch der treuen Hörerschaft ein Erinnerungsstück zum 20-jährigen Bandjubiläum zu widmen.