Thundercat und „It Is What It Is“: Space-Jazz für’s Homeoffice

Mit seinem vierten Album zementiert der Kronprinz des Grooves seinen Sound, ohne neue Experimente zu wagen.
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Der letzte Ton des Intros verklingt, der Fummelbass kommt ins Rollen und ein Saxofon schraubt sich spiralenartig in die Höhe – bereits der Opener „Interstellar Love“ führt in vertrautes Thundercat-Territorium, soll heißen, in nebulöse Soul-Grooves und abgehobenen Space-Jazz. Sowohl der zückersüße Falsettgesang als auch der virtuos vor sich blubbernde Bass gehören dabei zu Stephen Bruner, alias Thundercat. Zusammen mit Kendrick Lamar, Kamasi Washington und Flying Lotus hat Bruner die letzten Jahren damit zugebracht, den Jazz aus angestaubten Konservatorien wieder zurück auf die Straße und in den HipHop zu tragen, ehe er 2017 mit seinem dritten Album „Drunk“ selbst den Durchbruch in den neu kreierten Mainstream schaffte.

Wie also soll man so eine Entwicklung noch toppen? Indem man noch einmal exakt dasselbe macht, die virtuosen Show-Off-Parts etwas zurückschraubt und sich einige der illustresten Feature-Gäste des Business einlädt, darunter Childish Gambino, Ty Dollar Sign und Lil B. Die vorab veröffentlichten Singles „Black Qualls“ und „Dragonball Durag“ wurden geschickt ausgewählt und bieten das mit Abstand größte Hit-Potenzial, während sich das Album als Ganzes wieder in einer wolkig-warmen Produktion verliert. So wirkt am Ende selbst das titelgebende Fazit gar nicht mehr so entmutigend, sondern geradezu gemütlich: Es ist nun mal, wie es ist – gut so.

Fazit

7.5
Wertung

„It Is What It Is“ ist vor allem viel Altbekanntes, sodass sich gar nicht viele Worte über dieses Album verlieren lassen. Wer bereits Fan des Bass-Virtuosen mit dem levitierendem Vibe ist oder schlicht einen passenden Soundtrack für Corona-bedingte Indoor-Tage sucht, der findet mit „It Is What It Is“ nicht nur einen unterhaltsamen Zeitvertreib, sondern eventuell auch ein Mittel, mit der eigentümlich entschleunigten Situation derzeit klar zu kommen.

Felix ten Thoren