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Tenacious D und „Post-Apocalypto“: Henne oder Ei?

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Mo, 29.10.2018 - 11:46
Eine eigene Serie zum Album oder ein Soundtrack zur eigenen Serie? Henne oder Ei, was war zuerst da? Mit „Post-Apocalypto“ bringen Tenacious D ein absurd wirkendes neues Album heraus, welches als Soundtrack ihrer Mini-Webserie dient - oder andersherum?

Jack Black ist ein wahrer Tausendsassa. Was hat dieser Mann nicht schon alles gemacht: Kinofilme, er war Eddie Riggs Protagonist im Videospiel „Brütal Legend“, natürlich die Musik und jetzt hat er mit KG auch seine eigene Webserie produziert und jedes Bild selbst gezeichnet. Klingt sehr beeindruckend, ist es im Endeffekt aber nicht, besonders bei Betrachtung der Personen und Figuren stellt sich die dringende Frage, was bei diesem Mann wann schief gegangen ist. An seiner Seite steht besagter Kyle Gass, der nicht nur in Tenacious D performt, sondern auch noch in den Bands Kyle Gass Band und Trainwreck with KG spielt.

Doch nun haben sie ihr neues Projekt am Start und es übertrifft vom Verrücktheitsgrad so ziemlich alles Vorherige von Tenacious D. An dieser Stelle behandeln wir nur das Album. Natürlich wirkt es auf den ersten Blick verwirrend, da man ja nicht unbedingt die Handlung der Serie kennt und die Songs wie Musicalnummern in die Serie integriert sind. Aber Tenacious D haben vorgesorgt und Skits mit den Passagen der Serie eingefügt, die den nachfolgenden Track erklären.

Das Intro „Post Apocalypto Theme“ bringt die Handlung ganz gut auf den Punkt. Die Welt ist kaputt und jetzt müssen die Protagonisten KG und JB in einem alten, unkaputtbaren 50er-Kühlschrank die letzte Frau finden und gegen alles kämpfen, was die große Atombombe an neuem, ultimativem Bösen hervorgebracht hat.

Widmen wir uns daher der Stilistik. Von „der Stilistik“ zu reden ist aber schon mal irreführend. Denn es wird noch viel mehr gemacht, als je zuvor auf einem Tenacious-D-Werk. Überwiegend kennt man das Ganze natürlich. Da sind die poppigen Rocksongs wie „Take Us Into Space“ oder „Hope“. Lyrisch ist „Making Love“ der Bruder im Geiste von „Fuck Her Gently“. Einerseits ist das Singen dieser beiden Herren über verschiedene Sexpraktiken und Vorlieben in leicht mystisch-esoterischen und psychedelischer Stimmung erst ein klein wenig verstörend, bei näherer Betrachtung aber wahnsinnig unterhaltsam. Dass ein jeder Track musikalisch herausragend inszeniert und begleitet ist, dürfte allgemein bekannt sein. Beide sind fantastische Gitarristen, und am Schlagzeug nimmt, wie auch bei den vorherigen Alben, der legendäre Dave Grohl Platz. Aber natürlich darf etwas Metal auch nicht fehlen. Diesem bieten unter anderem „Daddy Ding Dong“ und „Woman Time“ ein vortreffliches Zuhause.

Ein Highlight ist definitiv „JB JR Rap“. Der Name ist Programm. Ihr Beitrag zum Mainstream, oder vielleicht dem, was die beiden sich darunter vorstellen. Die ganze Vorstellung ist mit dem dilettantischen Beat, den mit besonders gefährlich verstellter Stimme vorgetragenen Strophen und der Autotune-Hook extrem überspitzt. Es ist von vorne bis hinten zum Brüllen komisch und genau das soll es auch sein. Ein absolut klassischer Tenacious-D-Lacher, nur der Rahmen ist ein Neuer.

„Post-Apocalypto“ bietet allem, was Jack Black und Kyle Gass jemals mit Tenacious D gemacht haben eine Heimat und geht sogar darüber hinaus. Außerdem sehr wichtig: Man merkt, dass KG in den letzten Jahren verstärkt mit der Kyle Gass Band unterwegs war. Als Sänger kann er genau das noch weiter intensivieren und als Hörer stellt man fest, dass KG auch in Alter noch nicht ausgelernt hat. „Post-Apocalypto“ ist total irre, urkomisch, unterhaltsam und regelrecht spannend. Und ist es nicht langsam langweilig, immer und immer wieder auf die brillanten Songinszenierungen von Tenacious D hinzuweisen? Überhaupt nicht, sie waren immer fantastisch, sie werden es wohl auch immer bleiben.