Spielbergs und "Distant Star": Querverbindungen

Die Spielbergs wissen auf ihrer Debüt-EP noch gar nicht so richtig, was sie eigentlich sein wollen. Aber irgendwie meistern sie trotzdem jede Disziplin.
ae0068d10ce8cfbbc29b67e8634ff3cd884e3b6e.jpg

Eine tatsächliche Grundsubstanz findet „Distant Star“ nämlich tatsächlich kaum. Die fünf Songs der EP taumeln wild zwischen Indie, Noise und Alternative umher, finden aber schlussendlich trotzdem zusammen. Das liegt vornehmlich an der Selbstverständlichkeit, mit der das Trio bereits in dieser Frühphase seiner Karriere große Vorbilder zitiert und sich in zahlreichen Klangumgebungen wohlzufühlen scheint. Die verzerrten, fast shoegazigen Gitarrenlinien aus „Ghost Boy“ erinnern beispielsweise auffallend an die Ästhetik eines Fjørt-Songs, die frickeligen Schrammel-Einlagen aus „Daisy! It’s The New Me“ klingen nach PUP im Noise-Geschwader und „Setting Sun“ ist schlicht ein zauberhaft melancholischer Indie-Pop-Track.

All das vollziehen die Spielbergs mit angenehmer Leichtigkeit, die die Tracks dieses Werks als Grundpfeiler eint. Keine Genre-Referenz aus „Distant Star“ wirkt fehl am Platze oder aufgezwungen, sondern fügt sich als natürliches Glied in den Klangkosmos der Band ein. Dieser lockt vor allem mit seiner fast schon psychedelisch hauchenden Gitarrenästhetik, die sich durch die gesamte EP zieht, aber immer wieder neu interpretiert wird. Sie wirkt als Manifest inmitten zahlreicher Ausschläge und lockert das Gesamtbild der Platte merklich auf. So schafft die Band auch in Songs, die teilweise eine beachtlich lange Dramaturgie von über acht Minuten verfolgen, einen Haltepunkt, an dem man sich orientieren kann. „Distant Star“ klingt nach großem Aufbruch, nach Lust auf Neues und einer Selbstverwirklichung, die schon beachtlich weit vorangeschritten ist. Man darf gespannt sein, wohin dieser Weg noch führen wird.

Fazit

6.6
Wertung

Die Welt der Spielbergs ist bereits jetzt so herrlich vielfältig, dass "Distant Star" auch beim wiederholten Genuss nicht langweilig wird. Das große Argument fehlt der Band noch, ihr Debüt beherbergt aber bereits viele Ansätze, die zu einem werden könnten.

Jakob Uhlig