Schrottgrenze - Glitzer auf Beton

Knapp 10 Jahre nach “Schrottism” und einer langen Bandpause veröffentlichen Schrottgrenze mit “Glitzer auf dem Beton” ein kraftvoll positives Queer-Power-Pop-Album. In zwölf Tracks malt die Band um Alex Tsitsigias ein buntes Bild einer offenen Gesellschaft mit freien Entfaltungsmöglichkeiten und bricht mit der Heteronormativität. Zu viel Träumerei in einem Album?

Beton steht typischerweise für Härte und Tristesse. Erbarmungslos überdauert der Werkstoff viele Jahre ohne sichtliche Spuren und lässt sich auch nicht einfach so durchbrechen. Schrottgrenze finden mit ihrem Album und dem Titeltrack “Glitzer auf Beton” einen Weg, ihre Themen unterzubringen. Mit beschwingten Tracks irgendwo zwischen Indierock mit Punkanleihen, tanzbarem Power-Pop und Pop-Balladen dekoriert die Band sich ein ganzes betoniertes Stück Musikszene und kann damit für eine Reihe an Denkanstößen sorgen.

Genug mit Metaphern. Die vorab veröffentlichte Single “Sterne” machte schon klar, worum es auch im Album gehen wird: Schrottgrenze möchten in einer offeneren Gesellschaft leben, die es nicht nur toleriert, dass sich Männer küssen, sondern die es auch akzeptiert, dass Menschen sich nicht in Geschlechterrollen pressen lassen. Die vorherrschende Zwei-Geschlechter-Konstruktion aufgrund von genetischen Merkmalen ist eben mehr als nur Biologie: Geschlechter sind ein soziales Konstrukt und zwingen die Menschen in gesellschaftliche Normen, die sich nur mühevoll aufbrechen lassen. Ein kontroverses und viel diskutiertes Thema und zugleich schwerer Stoff, für den sich jeder heterosexuelle Mensch erst einmal aus seiner eigenen Komfortzone hervorlocken muss, um sich damit zu beschäftigen.

Schrottgrenze schaffen es nun, einen positiven Zugang zu dem Thema zu finden. Die Musik ist nicht mahnend und angreifend, sondern vermittelt in Songs wie “Dulsberg”, “Ostern” oder “Sterne” einen nachdenklichen Einblick in das Leben zwischen den Normen. Energiegeladen und abwechslungsreich sind die Tracks exakt auf den Punkt gebracht. “Zeitmaschine” ist dabei mit seinen punkigen Elementen der kleine musikalische Ausraster auf der Scheibe - live bestimmt ein Kracher.

Die Lieder zeichnen ein Bild von bunten, fröhlich tanzenden Menschen in einem kleinen Club getaucht im Licht einer Diskokugel. Zu viel Klischee? Egal, wichtig ist nur eins: Liebe wen du willst!