Retro Review: Progressive-Fiction und Comics von Coheed And Cambria

Eine dunkle Prophezeiung, Krieg, Rebellion und Androiden. Zum Themenmonat „Zukunftsmusik“ gibt es mit „Good Apollo I’m Burning Star IV Volume One“ einen echten Sci-Fi-Plot, den die Band sowohl in ihren Lyrics als auch in ihren Comics vorantreibt.
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Ein Plot, der sich hinter keinem Star Wars oder Star Trek des Universums verstecken muss. Ganz im Gegenteil. Ein Zusammenschluss von 78 Planeten, dessen Vormacht umkämpft ist und durch ein Virus vor dem Aus stehen könnte. Zwei Eltern, die ihre Kinder umbringen müssen. Doch eines entkommt und wird der Protagonist der Geschichte. Die Band Coheed And Cambria feiern dieses Jahr 20-jähriges Namensjubiläum und ihr Meisterwerk – das Album mit dem gar nicht mal so kurzen Titel „Good Apollo I’m Burning Star IV Volume One: From Fear Through The Eyes Of Madness“ – feierte bereits letztes Jahr seine 15-jährige Existenz. Als Konzeptband wird auf musikalischer Ebene die Story von nun schon neun Studioalben erzählt. Mastermind und Sänger der Band, der New Yorker Claudio Sanchez, bringt aber auch zu jedem Album die Comics heraus, häufig zeitgleich. In den Comics wird die Geschichte zumeist detaillierter erzählt. Aber um alles zu verstehen, kann man nicht nur die Musik hören oder die Comics lesen.

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Wie man am Konzept leicht erkennen kann, ist „Good Apollo I’m Burning Star IV Volume One“ ein Progressive-Rock-Album. Mit 71 Minuten Spielzeit auch ein langes. Zu keinem Zeitpunkt zieht sich aber das Album oder wird langweilig. Mal macht die Band einen Abstecher in härtere Metal-Sphären, mal gibt es Streicher zu hören und manchmal auch nur ein Akustikstück. Besonders markant aber ist die extrem hohe Stimme des Sängers. Überraschend ist der Effekt vor allem, wenn man sich Auftritte der Band anschaut. Der Sänger scheint nur aus langen Haaren zu bestehen, spielt harten Metal aber singt in höchster Stimmlage. Das sollte man gesehen haben.

Bereits zu Beginn merkt man, dass das Album von vorne bis hinten ein Konzept hat. So ist der erste Track noch ein reines Instrumentalstück, während danach eine Akustiknummer mit Gesang folgt und von dem mächtigen „Welcome Home“ eingeholt wird. „Welcome Home“ ist wohl der Track, mit dem viele Fans zuerst in Kontakt gekommen sind und der auf YouTube, Spotify und Co. die meistens Klicks hat – und das mit Recht. Er verkörpert alles, was die Band ausmacht und ist ein klasse Start, um sich mit der galaktischen Musik, die zum Teil epische Ausmaße annehmen kann, warm zu werden. Das Wort „episch“ passt hier sogar im ursprünglichen Sinne des „Erzählens“, da das Album aus der Sicht des „Writers“ geschrieben ist. Eine Metafigur aus dem Coheed-And-Cambria-Universum. Das Album endet dann mit den vier „The Willing Well“-Songs, die mehr oder weniger aufeinander aufbauen, Motive wieder aufgreifen und mit „The Final Cut“ ein perfektes Ende finden. Der Song erinnert zum Teil stark an einen düster-grimmigen Pink-Floyd-Track. Selbst bei Progressive-Rock Hörer:innen ist die Band aber noch nicht ganz auf dem Radar. Eigentlich eine Schande, da es kaum so eine interessante Konzeptband gibt.

Wer die Band bisher noch nicht kannte, kann wunderbar mit diesem Album und den zwei Vorgängeralben anfangen. In Retrospektive erreicht die Band hier ihren Höhepunkt, auch wenn das vierte Album „No World For Tomorrow“ ebenfalls sehr hörenswert ist. 2012 kündigte Mark Wahlberg übrigens an, er wolle eine Filmadaption produzieren. Es passierte aber erstmal gar nichts. Seit einigen Jahren ist nun eine Netflix-Adaption im Gespräch. Beide Daumen sind gedrückt. Außerdem hat die Band aktuell wieder eine neue Single released, was auf ein neues Album schließen lässt.

Fazit