The Rasmus und „Dark Matters“: Dunkle Materie für die Ohren

The Rasmus schafften 2003 mit „Dead Letters“ ihren Durchbruch und gingen sogar mit HIM auf große Tour. Danach verschwanden sie augenscheinlich von der Bildfläche, obwohl sie nicht untätig waren. Nun liegt uns, vier Alben später, „Dark Matters“ vor. Der Titel ähnelt dem Erfolgsalbum. Ob es selbst eines wird, verraten wir euch nur zu gern.
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The Rasmus wurden mit einer Art Goth-Poprock-Musik bekannt. Eingängige Melodien, etwas härtere Gitarren, etwas Melancholie und dann viel schwarze Kleidung und Schminke. „Dark Matters“ klingt anders, und das ist ja erstmal kein Verbrechen. Die Popkomponente der Musik ist deutlich vordergründiger und wird durch elektronische Elemente ergänzt. Eine Entwicklung, die sich schon auf dem Vorgänger abzeichnete, dort aber noch etwas subtiler war. Fans, die auf ein neues „In The Shadows“ hoffen, werden hier nicht fündig.

Wer The Rasmus zuletzt Mitte der 2000er Jahre gehört hat, wird überrascht sein, wie wenig Rock noch dabei ist. Klar, es gibt Gitarre, Bass und Drums, aber diese verschwinden schnell unter den Effekten und Synthies. Wirklich rockig ist eigentlich nur „Wonderman“. Die harte Strophe, teils sogar Double Bass und ein softer Chorus erinnern stark an die älteren Alben und machen Lust auf mehr. Mehr gibt es aber nicht.

Die restlichen Songs klingen größtenteils so, als hätte Robin Schulz beim Schreiben geholfen und versucht, es wie eine semidüstere EDM-Platte klingen zu lassen. Überall bloopt und piept es, und wenn bei „Nothing“ und „Empire“ ein Kazoo (oder so klingender Sound, könnte auch ein Akkuschrauber sein) einsetzt, killt das jegliche Atmosphäre. Irgendwie hat man oftmals das Bild von Jugendlichen mit Biermischgetränken in der Hand und im Stroboskoplicht tanzend vor Augen, wenn man das Album hört. Melancholie mag textlich vorhanden sein, überträgt sich durch die Musik jedoch kaum. In „Dragons Into Dreams“ gibt es dann noch Retrofeeling, mit einem sehr 80er inspirierten Beat und Bass. Könnte so fast bei „Stranger Things“ laufen, ohne NewRetroWave-Fans jedoch großartig begeistern zu können.

Das vergleichsweise minimalistisch klingende „Black Days“ ist ein Lichtblick auf dem Album. Mit ruhiger Gitarre beginnend und sich langsam steigernd macht dieser Song doch einiges richtig. Zwar dreht hier irgendjemand ständig am Verzerrer der Stimme und erzeugt damit quietschende und Vaporwave-ähnliche Effekte, aber ansonsten bleibt der Song halbwegs gut im Ohr. mÜbrigens wird die Stimme des Sängers sehr oft mit Effekten verstärkt, verzerrt und verdoppelt. Das passt zur Musik und ist meist gut eingesetzt. Wirklich verfremdet wird sie fast nie, sodass Fans von Lauri ungestört lauschen können, sofern sie sich auf den neuen Sound einlassen. Textlich gibt es gewohnte Kost. Melancholische Texte über Liebe und das Leben. Nichts atemberaubend neues, aber meist gut geschrieben.

„Der Gedanke hinter unseren neuen Songs war, die Art Musik zu erschaffen, die wir selbst gerne hören wollen. Wir haben die für uns charakteristische nordische Melancholie nicht abgelegt, allerdings kann man ein großes Spektrum an verschiedenen Einflüssen in unseren neuen Kompositionen hören. Das neue Album ist wie eine Achterbahnfahrt aus vielen verschiedenen Emotionen und persönlichen Gefühlen. Unsere Musik ist an manchen Stellen düster, nachdenklich, melodisch und teilweise sogar traurig“ - Lauri Ylönen

Man sieht das Ziel und kann teils auch die Intentionen erahnen, doch der Funke will nicht überspringen. Es bleibt ein The Rasmus-Album, welches nach radiotauglicher Tanzmusik klingt und leider kaum Atmosphäre bietet.

Being As An Ocean haben auf ihrem neusten Album „Waiting For Morning To Come“ sehr viel mit der Nachbearbeitung der Songs, mit Effekten und Verzerrung, experimentiert, die Musik teils massiv verfremdet, dabei ein geniales Hörerlebnis geschaffen und immer noch nach Being As An Ocean geklungen. The Rasmus ist dieser Schritt leider missglückt und so bleibt ein Album, welches zwar nach The Rasmus klingen will, aber unter tonnenweise Effekten erstickt.Schade. Das Album ist nicht grottig geschrieben, nur eben aalglatt und bleibt kaum im Ohr. Radiomusik zum sofort wieder vergessen. Wer The Rasmus mochte und, warum auch immer, Robin Schulz gut findet, kann gerne zugreifen.

Fazit

4.5
Wertung

Fehlende Atmosphäre und unangenehme musikalische Untermalung machen „Dark Matters“ eher zur Antimaterie.

Johannes Kley
5.2
Wertung

The Rasmus gehen den Weg, den alle One-Hit-Emo-Wonders der frühen 2000er gehen: Sie erweitern ihre aalglatten Kitsch-Hymnen um einige Disko-Elemente, um der heutigen Zeit zu gefallen und ihre Inspirationslosigkeit zu überpinseln. Diesem Exemplar muss man zugute halten, dass es nur selten in die Geschmacklosigkeit abdriftet, wirklich spannend wird "Dark Matters" aber trotzdem nie.

Jakob Uhlig