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Psychedelic Porn Crumpets und „And Now For The Whatchamacallit“: Die Überwindung der Namen

So, 02.06.2019 - 13:22
Ein Albumcover wie von Hieronymus Bosch, ein Bandname wie aus einem Online-Generator – Die Psychedelic Porn Crumpets pflegen zweifelsohne einen ganz eigenen Stil und dieser geht weit über die bloße Art ihrer Selbst-Präsentation hinaus.

Denn während viele Fuzz-Rock-Bands angesichts des dreckigen Sounds auch lyrisch häufig zu einer Schlammschlacht aus Misanthropie und Zynismus neigen, machen die Australier genau das Gegenteil. „Das Grundkonzept hinter dem Album war es, einen Karneval aus den 1930er Jahren zu nehmen und für zukünftige Generationen zu adoptieren“ schreibt die Band, und meint damit Tracks wie „Bills Mandolin“, in denen Marschcharakter und melodische Verspieltheit zu einer Art „psychedelischen Faschings-Umzug“ verschmelzen. Auch „Social Candy“ ist Teil dieser Fete, nur das hier – anstatt von tanzenden Funkenmariechen – ein sonischer Schwerlastzug durch die Parade brettert und mächtig für Stimmung sorgt.

Neben dem allgegenwärtigen Fuzz bietet der Psychedelic-Rock den zweiten Grundpfeiler in der musikalischen Ausrichtung der Band. So werden die stampfenden Riffs immer wieder von verspielten Einwürfen und Trillern unterbrochen, während Tracks wie „Native Tongue“ mit ihrer rhythmischen Verschrobenheit und verhallten Lyrics den 4-on-the-Floor-Beats einen Kontrapunkt entgegensetzen. Dass sich das Quartett bisweilen auch mal im psychedelischen Wunderland verirren kann zeigt „Digital Hunger“; letzten Endes entsteht aber gerade aus der Kombination von psilocybin-induzierter Planlosigkeit und straighter Gute-Laune-Parade jener einzigartige Stil, der „And Now For The Whatchamacallit“ als Ganzes zu einem Trip werden lässt; ungeplante Ausflüge mit inbegriffen.

Passenderweise heißt der letzte Track dann auch „Dezi’s Adventure“ und vereint abschließend alle wichtigen Elemente: Karussell-Musik trifft auf spielerische Fertigkeit, verklärte Reminiszenzen werden zur Hymne an die Ungewissheit. Wie man es auch nennen mag; ein starker Abschluss einer starken Platte.