2
min read

Primetime Failure und „Memory Lane“: Skate-Punk's Not Dead!

Mo, 06.05.2019 - 11:09
Das Quartett Primetime Failure aus der Nähe von Bielefeld läutet mit „Memory Lane“ endgültig den Sommer ein. Die Musik der Westfalen klingt nach Sommer, Sonne, Sonnenschein und Dosenbier. Dazu kommen Zeichentrickcover und markanter Skate-Punksound im Stil der großen Szeneikonen.

Wer in irgendeiner Weise etwas mit Skate-Punk in den Neunzigern zu tun hatte, dem muss bereits bei dieser Kurzbeschreibung das Herz aufgehen. Und diese abstrakt beschriebene körperliche Reaktion geschieht völlig zurecht! Da ist zum Beispiel die konsequente Verwendung von Covern im Zeichentrickstil. Im Fall von Primetime Failure kein Abklatsch, sondern eine Hommage an die eigenen Helden von beispielsweise NOFX. Es geschah im Jahr 2015, als sich die Band in ihrer heutigen Form zusammenfand und einfach das tat, was man liebte: Skate-Punk spielen, der im Kern nach dem der Neunzigerjahre klingt. Eine Art von Musik, mit der eine ganze Generation aufgewachsen ist und die jedem einzigen dieser Generation ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert.

Startet man den Tonträger, muss manch einer, wenn auch nur einen Bruchteil einer Sekunde, an Slipknot denken. Der Opener mit dem Namen „All Hope Is Gone“ braucht aber auch nur diesen einen Bruchteil einer Sekunde, um diese Gedanken vollends zu vertreiben. Stattdessen beginnen zwei Gitarren mit kurz später einsetzendem Schlagzeugbeat der Hörerschaft zu vermitteln, worum sich das Ganze dreht. Spätestens der Gesang untermauert die Verbundenheit zum Sound der Neunziger, welche Primetime Failure nicht verleugnen können und vor allem auch gar nicht verleugnen wollen. Die Einflüsse von NOFX oder No Fun At All klingen zweifelsohne durch. Zweistimmiger Gesang mischt sich unter einfache Riffs aus wenigen Akkorden, die ihren punkmäßigen Zweck erfüllen: direkt ins Ohr zu gehen und dort zu verbleiben, während die Drums pausenlos auf einen einprasseln und den Körper zum Mitgehen zu zwingen scheinen. Ein einziger Song mit einer Länge von über drei Minuten ist die große Ausnahme, kurze Titel bestimmen das Album. Es rauscht kurzweilig an einem vorbei und hat das Zeug dazu, sich immer und immer wieder zu wiederholen, ohne dabei langweilig zu werden.

Es ist wichtig zu betonen, dass „Memory Lane“ keine Kopie und keine Nachahmung der alten Helden ist. Vielmehr geht es darum, diese Zeiten zurückzubringen und wiederzubeleben. Die Band macht genau das, was sie liebt, und das hört man. Auch die großen Ikonen der Bielefelder haben sich nicht wieder und wieder neu erfunden, genauso wenig erfinden Primetime Failure den Skate-Punk als solchen neu. Sie spielen ihn aber in einer Art und Weise, die sich hinter Vergangenem und Zukünftigem der Szene nicht verstecken muss. Dass es sich erst um die zweite Veröffentlichung der Gruppe handelt, ist kaum zu glauben.