Press Club und „Late Teens“: Australian energy!

Im Haus des Bassisten Iain schreiben Press Club vierzig Songs, von denen es am Ende zehneinhalb auf „Late Teens“ schaffen. Diese setzen durch neue Impulse Maßstäbe in Sachen Power und Kreativität.
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Viele Kinder besitzen sie und haben mit ihnen ihren ersten großen Auftritt im Kinderzimmer: Spielzeugkassettenspieler mit Plastikmikrofonen. Meistens sind die Dinger weiß und gelb und klingen beim „singen“ schrill und den Lautsprechern geschuldet immer zu laut für deren leistbare Qualität. Wenn Natalie Forster, die Sängerin der australischen Punkrockband Press Club, im Titel „Crash“ nach einem Spannung aufbauenden Intro das erste Mal zum Gesang ansetzt, klingt das in etwa so, als würde sie in eins dieser Spielzeugmikrofone singen und schreien. Vor allem bei den geschrienen Zeilen übersteuert die Gesangsspur, jedoch handelt sich hierbei nicht um fehlendes Können oder minderwertiges Equipment im Studio, sondern um volle Absicht und ein Erkennungsmerkmal, welches sich Press Club zweifelsfrei aneignen und über das gesamte Album praktizieren. „Crash“ liefert als erster Song bereits das Beste aus zwei Welten: Nimmt sich Natalie in der Lautstärke etwas zurück, klingt ihre Stimme glasklar und sie zeigt, dass sie mit viel Gefühl singen kann, aber eben auch dem Punkrock angemessen innerhalb von einem Moment auf den anderen richtig laut wird.

Press Club sind auf „Late Teens“ in der Lage, schnellen Punkrock mit vielfältigen Melodien und Texten zu spielen, die sich augenblicklich im Mitsingrepertoire ihrer Hörerschaft wiederfinden werden. „Headwreck“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie unfassbar viel Energie dabei in Frontfrau Natalie steckt. Im dazugehörigen Musikvideo sieht und hört man, mit wie viel Leidenschaft und Herzblut sie bei der Sache ist, während ihre Bandkollegen Greg, Iain und Frank die Instrumente scheppern lassen und einen astreinen, sauschnellen Punkrocksong aufs Parkett bringen. Das Schöne an „Late Teens“: Dieses Herzblut zieht sich zusammen mit dem übersteuernden Gesang durch das gesamte Album, während Natalie sich mal die Seele aus dem Hals schreit und mal, wie zum Beispiel in „Suburbia“ beweist, dass sie eben auch richtig gut singen kann. Dieser Frau ist alles zuzutrauen, sie ist unglaublich vielfältig und projiziert diese Vielfältigkeit auf jeden Song.

Im Vergleich dazu nehmen langsamere Songs wie zum Beispiel „Golden State“ zwischendurch mal den Wind aus den Segeln, um den Hörer zwischen schnellen Hymnen tief durchatmen zu lassen. Auch „Side B“, ein kurzes Instrumentalstück zur Einleitung der zweiten Halbzeit des Albums, lässt einen kurz abkühlen, bevor mit „Ignorance“ die nächste Runde eingeleitet wird. Der Song startet schnell, wird genauso wie alle anderen von Natalies Stimme beherrscht und fügt sich somit perfekt ins Bild ein. „Let It Fall“, „Trading Punches“, „Late Teens“ und „Stay Low“ verfolgen diese Strategie unentwegt weiter und prasseln nur so auf die Hörerschaft ein. Da es wie erwähnt absolutes Markenzeichen des Albums ist, ist auch der Song „Late Teens“ ein Anspieltipp, um sich zu Beginn des Tracks eine Demonstration geben zu lassen, wie mit Energie vollgepackter Frauengesang im Punkrock klingen sollte. Nach dieser Einlage geht es auf die gewohnt rasante Fahrt mit der Sound-Achterbahn der Australier.  Press Club bedeutet Spaß für alle, die es mit tanzbarem Punkrock zum Mitsingen halten und dabei einfach mal Lust auf Abwechslung und etwas Neues haben.

Fazit

7.8
Wertung

Hat man sich einmal an die Produktion des Gesangs gewohnt, lernt man diesen schnell lieben. Press Club bestechen durch schnelle Songs, die eine Harmonie zwischen Instrumenten und Gesang schaffen, letzteren kann man dabei gar nicht genug hervorheben. Wie viel Power in dieser Frau steckt, ist schlichtweg großartig!

Mark Schneider