P.O.D. und „Circles“: Die Konstante im toten Genre

P.O.D. sind zurück! Moment - sie waren eigentlich nie weg. Dem langsamen Sterben des Nu-Metals zum Trotz, bringen P.O.D. beständig Alben von hoher Qualität heraus. Diese erlangen aber trotzdem sehr wenig Aufmerksamkeit. So wird es „Circles“ wohl auch ergehen.
P.O.D. Circles Cover

Die vier Kalifornier werden seit jeher mehr als „One-Hit-Wonder“-Klitsche abgestempelt. Und auch wenn „Alive“ und vielleicht noch „Youth of the Nation“ oder „Boom“ nach wie vor in der Szene große Namen sind, fallen beinahe alle Realeases, die nicht „Satellite“ heißen, der Irrelevanz anheim. In den USA hat das Quartett Dreifach-Platin bekommen, doch nach 2006 wurden nicht mal mehr die deutschen Charts erreicht. Das ist tatsächlich ziemlich verwunderlich, da sich die Band immer soweit ihrem Stil treu geblieben ist, um von den Hardcore-Fans nicht verstoßen zu werden. Andererseits bleiben sie aber auch innovativ genug, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Trotzdem sinken die Verkaufszahlen mehr, als dass sie steigen.

Der Grund ist relativ einfach: Nu-Metal ist so gut wie tot. Gefeiert werden noch die alten Acts und auch von denen nur das alte Repertoire oder eben sehr wenig Neues. Limp Bizkit, Linkin Park, Crazy Town, Papa Roach, Rage Against The Machine und wie sie alle heißen: die alten Größen im Nu-Metal und Crossover. Aber „Circles“ verdient eine Chance, denn es hat einiges zu bieten.

Der Anfang ist mit „Rockin with the Best“ zwar eine Spur zu düster im Unterholz, um auf den Rest der Platte einzustimmen, aber trotzdem ein starker Track. Präsentiert er doch das Herz der Band, nämlich den unnachahmlichen Rap-Stil von Sonny Sandoval. Das Album lebt, wie P.O.D., von einer besonderen Vielfalt. Immer wieder werden kleinere und größere Reggea-Grooves gestreut, die sich aber allen nervigen Rasta-Klischees entbehren. Das beweist auch der Titeltrack „Circles“ als eine äußerst entspannte Rocknummer. Man sollte jedoch aufpassen, da Anthony Kiedis Ansprüche auf den Track erheben könnte, ob der stilistischen Nähe zu den Red Hot Chili Peppers.

Einen weiteren Sympathie-Punkt gibt es für „Panic Attack“. Die latent aggressive Grundstimmung und der offen aggressiv vorgetragene Refrain sind eine wundervolle Hommage an die Beastie Boys, einen der Vorreiter des Crossovers. Das Leichte, Schwebende und gleichzeitig Bleischwere klingt hingegen wie ein Querverweis auf Linkin Park.

P.O.D. gibt es jetzt seit 26 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Aber wozu diese vergebene Liebesmüh? Dieser Szene wird kaum noch Beachtung geschenkt und es wird nur noch darauf gewartet, bis Limp Bizkit ihr persönliches „Chinese Democracy“ auf den Plattenmarkt erbrechen um der Nu-Metal-/ Crossover-Szene den Todesstoß zu verpassen. Solange genießt bitte noch den starken Mix aus Rock, Metal und Rap, aus harten Tritten in die Fresse und atmosphärischem Dahingleiten. „Circles“ hat das alles.

Fazit

7.4
Wertung

Eine gewisse Resignation und Verbitterung macht sich bei mir breit, so ist das weniger eine Review über eine der letzten kleinen Bastionen der Szene, als vielmehr das Hinterherweinen wegen eines wundervollen Genres. Aber „Circles“ zeigt noch einmal, was dieses Genre zu bieten hat und dass P.O.D. noch lange nicht fertig sind. Power, Atmosphäre und starke Rap-Skills, das ist P.O.D..

Moritz Zelkowicz