Peter Doherty & The Puta Madres und ihr selbstbetiteltes Album: Nicht neu, aber irgendwie doch

Nun, das Bedürfnis von Musikern, Kostproben der bevorstehenden Veröffentlichung vorab auf Konzerten zu präsentieren, ist bekanntlich nichts Neues. Peter Doherty mit seiner neuen Band The Puta Madres hat es da aber ein wenig übertrieben. So ist das selbstbetitelte Album weniger überraschend als gedacht.
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So recht geglaubt, dass bei Peter Doherty nach der Auflösung wirklich Schluss mit der Musik sein soll, hat wohl keiner. Aber es hat trotzdem sechs Jahre gedauert bis zur offiziellen Gründung seines neuen Projektes: Peter Doherty & The Puta Madres. Weitere drei Jahre bis das erste Album im Kasten war. Jeder Doherty-Fan wird wohl wenig überrascht sein, denn die meisten Tracks des selbstbetitelten Albums wurden schon live präsentiert. Aber immerhin, für jeden, der die neue Band weder direkt auf der Bühne noch einen Mitschnitt gesehen hat, sind die neuen Songs auch tatsächlich neu.

Doch nicht nur die Songs an sich könnten den Hardcorefan enttäuschen, auch Dohertys Stil will nicht so klingen wie bisher. Obwohl sich gerade in seiner Heimat Großbritannien die sozialen und politischen Themen für eine musikalische und lyrische Abrechnung wie lange häufen, so wirkt Doherty geerdeter, entspannter und ausgeglichener. Grund dafür dürfte auch sein, dass er nicht so direkt in das Tagesgeschehen involviert war, wie beispielsweise in „Hell To Pay At The Gates Of Heaven“.

Aber was kann denn das Debüt der neuen Band wirklich? Es verschießt vor allem sein Pulver etwas zu früh. Mit „Who’s Been Having You Over“ kam eins der Highlights, wenn nicht sogar das Highlight der Platte vorab. Eine wunderbar trashig-rotzige Nummer, die ein wenig nach einer Demo frisch aus der heimischen Garage klingt. Das Orgelspiel rundet das Wirr-Warr aus Bass, Gitarre und schiefem Gesang ab, verleiht ihm gar eine Struktur, ohne die dieser Song gar für die Tonne hätte sein können. Der Gesang ist ein kritischer Punkt auf der Platte. So sehr der etwas lallende und leiernde Gesang von Doherty auch sein Markenzeichen ist, so anstrengend wird er auf diesem Album. In „Lamentabe Ballad Of Gascony Avenue“ liegt die Annahme nahe, dass er bei der Aufnahme eben nicht ganz nüchtern war.

Sein Können demonstriert er glücklicherweise in “Travelling Tinker“ nochmal. Da wirkt sein Gesang weniger schief, mehr schräg, im Sinne von unterhaltsam. Ein Track, gemacht für die Irish Pubs dieser Welt. Schnell einprägsamer Rhythmus, ebensolche Melodie werden in gekürzter Form wohl auch in jeder deutschen Kneipe, die Guinness und oder Kilkenny auf der Karte stehen hat, ein Hit – wenn man ihn kürzt. Knapp sieben Minuten sind für diesen Anlass dann doch zu lang.

Die wichtigste Frage der Platte dürfte wohl sein: „Kann Peter Doherty Töne nicht halten oder will er nicht?“ Auch wenn es an mancher Stelle stilistisch passt, die Konstanz, mit der er dieses „Stilmittel“ präsentiert, stellt The Puta Madres musikalische Leistung ein wenig in den Schatten. Schade, denn die haben ihren Job hervorragend gemacht.

Fazit

5.8
Wertung

Peter Doherty ist in Großbritannien jetzt schon eine Legende, die in seinem Leben ähnlich viel verloren wie erreicht hat. Peter Doherty & The Puta Madres sollen wohl so etwas wie ein Neuanfang sein und die Band bietet mit ihrem Können das richtige Fundament, doch diesmal wirkt es, als würde Doherty hinterherhinken. Obwohl auch bei ihm die Ansätze für ein Hitalbum da sind, reicht das nicht.

Moritz Zelkowicz