Olympya und "Auto": Extraordinäre Mischung

Fernab vom Standard-Pop experimentieren Olympya auf ihrem ersten Album mit Sounds aus den verschiedensten Bereichen der Musik und schaffen so ein zwar immer noch poplastiges Album, was sich aber nicht wirklich einem Genre zuordnen kann.
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Ein musikalisches Genre ist nur so lange „tot“, bis sich jemand dazu entscheidet, es wieder zum Leben zu erwecken. Pierre Sonality hat dafür seine Rapkarriere aufgegeben, um mit Olympya den Sound der Neuen Deutschen Welle ins Jahr 2021 zu bringen.

Beim Hören der Platte kommt ein absolutes Nostalgie-Feeling auf. Es geht um Rocky, Schulromanzen und wie sich das ganze Leben nach dem Ende der Schulzeit ändern wird. Die Verschmelzung von Neu und Alt schaffen Olympya nicht nur durch das Verbinden verschiedenster Genres, sondern vor allem durch die kontrastreichen Texte. Hochironisch berichtet die Band über einen Trennungsschmerz, den man so nur in Teenager-Komödien mitbekommt. Gleichzeitig wird es auf der ersten Platte der Band auch ein wenig politisch, ohne dabei direkt mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. In „Ostseeträume“ wird beispielsweise geschildert, wie denn der Traum vom weißen Deutschland für den Nazi-Opa von Nebenan aussieht. Olympya stellen sich ganz klar gegen solche Fantasien, überladen ihre Texte aber auch nicht mit politischen Parolen, sondern gehen mit Ironie und Witz an diese Themen.

In Sachen Genres setzt sich die Band keine Grenzen und experimentiert mit einer Mischung aus Emo Rock, Elektro, Rock und eben Neuer Deutscher Welle. Diese extraordinäre Verschmelzung der Genres mit dem Pop macht den Sound von Olympya aus.

„Deine Schwester“ könnte auch von Feine Sahne Fischfilet stammen. Mit rockigen Strophen und einem fast schon geschriehenen Refrain beweist die Band Viefältigkeit und einen gesunden Hass gegen Polizist*innen. Wer sich noch an „Der König tanzt“ von Der König Tanzt erinnert, findet viele Parallelen zum „Olympya Sound“. Mit einem ähnlichen Thema wie „Rocky“ geht es in „Der König Tanzt“ noch mehr um das Außenseitergefühl und das man dazu stehen sollte, anstatt immer zu versuchen, nur dazuzugehören.

Wenn die Realität nichts für einen bereithält, flüchtet man sich in Fantasiewelten, um dem normalen Leben irgendwie zu entkommen. Im Track „Rocky“ findet sich der Protagonist, ein Außenseiter, in einer Videothek wieder, um sich die Rocky-Filme auszuleihen.

 

„Ich will so sein wie Rocky“

 

Wer in seiner Jugend nicht so beliebt war, versteht diese Aussage. Man möchte stärker sein, damit alle Kommentare an einem abprallen. Man möchte wissen, dass man alles hinkriegen kann und außerdem bietet einem die Realität nichts, was in der Fantasiewelt nicht besser sein kann.

Olympya setzt sich keine Grenzen und experimentiert erfolgreich mit Genres abseits des Mainstream. Die zeitgemäßen Neue-Deutsche-Welle-Sounds harmonieren mit den restlichen Genrefetzen und vermischen sich so zu einem ganz eigenen Klang. Nostalgisch, aber modern. Ironisch, aber irgendwie auch ernst. Olympya setzen sich auch was den Text angeht keine Grenzen und singen über Schwestern, die jetzt leider bei der Polizei sind, über Kriegsdrohnen und Liebeskummer, bei dem absolut nichts mehr hilft.

Fazit

7.5
Wertung

Ausgefallene Genremischung und eine gute Portion Polizeihass.

Paula Thode
6.5
Wertung

Stilmix unique, Synthies on fleek. Sehr fresh.

Felix ten Thoren