The Offspring und "Let The Bad Times Roll": Party in dunklen Zeiten

The Offspring melden sich nach neun Jahren mit einem heiß ersehnten neuen Album zurück. „Let The Bad Times Roll“ mag ein Pandemie-Produkt sein, aber dennoch keines, auf das verzichtet werden kann.
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Der Titel des Albums bezieht sich auf die Lebenseinstellung, die im letzten Jahr immer präsenter geworden ist: Wenn’s jetzt schon bergab geht, dann wollen wir dabei wenigstens Spaß haben. Und dafür liefern The Offspring den perfekten Soundtrack für das heimische Musikerlebnis. Eine Mischung aus dem schon von der Band bekannten, eher schnellen, kraftvollen Sound und teilweise doch tiefgründigere Texte mit ruhigeren Instrumentals, wie sie schon auf dem letzten Album „Days Go By“ vermehrt eingestreut wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist „Behind Your Walls“, wo es darum geht, eine Person erreichen zu können, die sich hinter ihren „Walls of pain“ verschanzt. Auch musikalisch geht es hier besonders in den Strophen deutlich sanfter zu, als man es sonst von The Offspring gewohnt ist. Dagegen ist der Refrain kraftvoller, wird aber mindestens genauso schmerzvoll gesungen.

Fast zum Ende des Albums streut die Band „Gone Away“ als Piano- und Streicherversion ein, eine Gänsehautgarantie, die schon auf dem 1997er Album „Ixnay On The Hombre“ (und in der Five-Finger-Death-Punch-Version von 2017) für mächtig Gefühle gesorgt hat. Solche Umarbeitungen können schnell schrecklich kitschig werden, hier wird das dem Song aber nur mehr als gerecht. Auf der anderen Seite finden sich für das „Offspring-Gesamtpaket“ aber auch genannte kraftvolle, textlich weniger philosophische Songs auf der Platte. Die schon 2015 veröffentlichte und gefeierte Single „Coming For You“ findet nun endlich auch auf einem Album Platz und bietet definitiv ein Highlight zum Mitgrölen in der Front Row (irgendwann wieder). Wenig tiefgründig, und vielleicht textlich sogar leicht problematisch ist auch „We Never Have Sex Anymore“, aber die diversen Blasinstrumente retten die Daseinsberechtigung des Songs.

Besonders zu erwähnen ist das Cover von Edvard Griegs „In The Hall Of The Mountain King“, das nicht ohne Grund schon von vielen modernen Künstler:innen neu interpretiert wurde, von The Who über diverse Metalbands bis hin zu elektronischen Varianten. Doch im Punkrock ist das Stück aus dem späten 19. Jahrhundert noch nicht angekommen, bis The Offspring sich dessen angenommen haben. Es klingt mit elektrischen Gitarren und Schlagzeug auf einer Dauer von knapp unter einer Minute einfach gut.

Natürlich ist das Album auch nicht unpolitisch, sonst wäre es ja auch kein Punk. Klar wird das beispielsweise im Song „Hassan Chop“, der nicht nur eine geniale Bassline und Flüsterparts bietet, sondern auch die Kriegsführung der USA im Nahen Osten angreift. „We kill so others will be saved […] this suffering, will it ever stop“ und „We’ll lead this modern day crusade“ sind eindrucksvolle und wichtige Zeilen. "Lullaby" schließt das Album mit einer sanften Reprise auf „Let The Bad Times Roll“ perfekt ab, auch wenn der Song einzeln vermutlich nicht in vielen Playlisten landen wird.

Fazit

7.9
Wertung

The Offspring liefern endlich wieder neues Material und haben die Erwartungen definitiv erfüllen können. Abwechslungsreich wie bisher kein eigenständiges Album seitens der Band – eher eine Art Mischung aus bisherigen Erfolgen und dennoch in sich stimmig. Von Gänsehaut bis Partyhit ist alles dabei, jetzt fehlt nur noch die Tourankündigung (für in ein paar Jahren dann).

Jannika Hoberg
7
Wertung

Das neue Album von The Offspring bringt durchaus ein paar sehr brauchbare und gute Songs mit sich. Wie man es von der Band kennt, sind auch ein paar echte Ohrwürmer mit dabei. Allerdings können nicht alle Songs komplett überzeugen, vor allem in der zweiten Hälfte lässt das Album etwas nach und verliert an Power - die Experimentierfreudigkeit sei hier hervorzuheben, aber es fehlt das gewisse Etwas. Alles in allem aber ein ordentliches Album, wenn auch kein reiner Punk, falls das überhaupt jemand erwartet hatte.

Meret Stursberg