Odd Couple und "Universum Duo": Von Kryptogrammen und ihrer Entschlüsselung

Historisch brisante Tagebucheinträge, verschlüsselte Funkbotschaften und kriegsstrategische Weisungen: Sie alle eint die vermeintliche Uneindeutigkeit. Was in der Erstwahrnehmung als zusammenhangloses Konglomerat von Silben- und Ziffernfolgen erscheinen mag, offenbart sich mit dem passenden Entschlüsselungswerkzeug.
cover-odd-couple-universum-duo_0.jpg

Sogenannte Kryptogramme bedienen sich einer individuellen Nomenklatur. Symbole, mathematische Gleichnisse und schlichtweg verquere Wortspiele enthalten einen tieferen Kern. Übertragen auf die Moderne zieht man nun möglicherweise Parallelen zur hiesigen Musiklandschaft. Wem waren schon alle Texte von Frittenbude auf Anhieb klar? Bei wem löste „Ruby Light & Dark“ (Broilers) kein Stirnrunzeln aus? Und was möchten uns Deichkind mit ihren Live-Darbietungen vermitteln? Fragen, die sich erst in dem jeweiligen Gesamtkontext beantworten lassen. Ein künstlerischer Anspruch liegt jedem der genannten Beispiele zugrunde. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Odd Couple bereits im Titel des vorliegenden Studiowerks jedwede Bescheidenheit abstreift und sich selbst als „Universum Duo“ präsentiert - Vermessenheit oder berechtigter Anspruch?

„10 Bier bitte“ lautet hierauf die bodenständige Antwort im Opener. Psychedelischer Output trifft auf Kneipenlyrik und hochvitales Drumming. Während sich die Nackenmuskulatur allmählich löst und die Zehenspitzen im Rhythmus mitgehen, bahnen sich bereits die nächsten kreativen Störfeuer an. „Sentimental“ trägt das Erbe der Prophets Of Rage weiter (RIP!), ehe es sich in eine fulminante Tanzmaschine transformiert. Ein zwingendes Stück Musik, dessen Fackel mühelos von der „Wand“ weitergetragen wird. Diese wuchtet mit zimmernden Gitarren ebenjene mühelos nieder. Wie sagte eine große, deutsche Raiffeisenbank? „Wir machen den Weg frei“. Nie war dieses Leitmotiv zutreffender. Eine Hommage an die chronisch deplatziert erscheinenden Mitbürger und die Aus-dem-Takt-Tänzer.

Etwas gediegener, aber nicht minder unterhaltsam geht es auf „Geld“, „Fahr in den Urlaub rein“ und „Zimmerfluch“ zu. Denkwürdige Wortspiele und abstrakte Gesellschaftskritik sind die Grundbausteine eines irrwitzigen Klanglabyrinths. Man hat der Welt etwas mitzuteilen und verschafft sich durch die Zerschlagung etwaiger Schubladen auch den entsprechenden Freiraum. Unerklärlich bleibt allerdings die offenkundige Faszination für die Neue Deutsche Welle. Ganz so, als hätte es sich hier nicht um einen musikhistorischen Fauxpas gehandelt, lassen Odd Couple jene Zeiten neu aufleben. „Dübelmann“ und „Raumspace“ tänzeln noch haarscharf an der Klippe entlang, doch spätestens „A Dada“ entbehrt sich jeder Grundlage. Kann und darf das ernst gemeint sein? Hatte man es zuvor mit edlen Prädikatsweinen sonnengeküsster Steilhänge zu tun, sind die genannten Vertreter eher ein vergorener Most aus dem Flachland.

Um dem „Universum Duo“ auf die Schliche zu kommen gibt es lediglich zwei Optionen: Man befragt Professor Robert Langdon oder man führt ein ausgiebiges Interview mit dem Berliner Zweigestirn Dehn/Kreft. Einem einfachen Rezensenten bleibt vorerst nur die Zerrissenheit zwischen wahrlich gelungenen Stücken und einem unbestreitbaren Anflug von Fremdscham. Es sind noch einige Dechiffrierungen notwendig.

Fazit

6
Wertung

„Die Reiz dieses Werks liegt in seiner Skurrilität. Die breite Masse erreicht man so nicht und das scheint auch nicht das Ziel zu sein. Doch selbst das potenzielle Klientel wird den einen oder anderen Durchlauf einplanen müssen.“

Marco Kampe