Norbert Buchmacher und "Habitat einer Freiheit": Fundament

Allerspätestens seit er Support auf der Tour von Nathan Gray war, ist Norbert Buchmacher in aller Munde. Nun kommt sein Debütalbum, "Habitat einer Freiheit". Aber wie gelingt der Sprung von Hardcore auf Singer/Songwriter-Pop?

Norbert Buchmacher fällt auf. Und in dieser Szene wird er es ganz besonders. Seine Gesangsstimme ist rau, mit einem Schmunzeln lässt sich auch eine Parallele zu Tom Hardys Darstellung von Bane in „The Dark Knight Rises“ feststellen. Natürlich ist das überspitzt, gibt aber schon mal einen Eindruck. Doch es würde Buchmacher nicht gerecht werden, ihn nur auf seine Stimme zu reduzieren. Aber es sei festgehalten, dass er sie einzusetzen weiß.

Da wären noch die Texte. Ein zweischneidiges Schwert. Buchmacher bedient sich einer sehr pathetischen und bildhaften Sprache. Die kann gut eingesetzt zu lyrischen Meisterwerken werden, dem Einheitsbrei von Giesinger und Co. einher fallen oder aber einfach nur wirr werden.

In „Müssterium des Seins“ macht sich Buchmacher auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und zieht die richtigen Schlüsse. Es ist eine unendliche sinnbefreite Suche, denn am Ende ist man so oder so da, ein regelrechter Zwang zu leben. So hat Norbert Buchmacher mal eben den Sinn des Lebens egalisiert und der Suche nach selbigem jegliche Sinnhaftigkeit abgesprochen. „Laut geträumt“ war die erste Single des Albums und die hat es in sich. Große Worte, gerichtet an die scheinheilige christliche Welt.

 

„Sonntags immer schön brav in die Kirche rennen, aber dann laut klatschen, wenn die Heime brennen. Und auf einmal sind vor Gott doch nicht alle gleich.“

„Mein Leben geht halt so“ hätte genauso von Herbert Grönemeyer kommen können, nur dass die Gitarre im Hintergrund nicht ganz so stark verzerrt wäre. „Man sagt nicht man sagt nicht“ ist musikalisch gleich wieder Grönemeyer, allerdings dessen junge Version. Textlich ist das wieder großartig, denn Buchmacher nimmt ein Phänomen auf. War es früher noch das pathologische Bedürfnis Einzelner, von allen gemocht zu werden, so scheint es heute ganz normal zu sein, jedem nach dem Mund zu reden, jeden Schwachsinn zu akzeptieren um dem Gegenüber nicht auf den Schlips zu treten. Kongenial festgehalten und umgesetzt. In „Sorgen und den Nikolaus“  übertreibt er es mit dem Grönemeyer. Wie in dessen neueren Songs wirkt der Text etwas wirr und partiell klingt es so, als wolle Norbert den Herbert machen und dessen prägnante Gesangstechnik imitieren.

Norbert Buchmacher gibt sich größte Mühe, seine pathetischen Texte nicht in purem Kitsch ausarten zu lassen, was ihm auch sehr gut gelingt. Nur sollte er auf seine textliche und musikalische Stärke vertrauen, denn „Laut geträumt“ präsentiert sein Können über alle Maßen. Der Rest verkommt mit zunehmender Länge in ein weiches Rauschen. Auch wenn Lichtblicke wie „Man sagt nicht man sagt nicht“ Lust machen, der Rest vermag das nicht.

Fazit

6.1
Wertung

Wie so oft käme mehr dabei rum, wenn sich Künstler selbst mehr zutrauen würden. Hier leider auch. Klar ist Grönemeyer gut, aber etwas mehr Buchmacher wäre hier schön gewesen.

Moritz Zelkowicz
4.3
Wertung

Die Resteverwertung von Herbert Grönemeyer und Daniel Wirtz. Trotz guter Ansätze fällt „Habitat einer Freiheit“ der omnipräsenten Schwermut anheim und kann durch diese Tristesse nur schwerlich begeistern.

Marco Kampe