NOFX und „Single Album“: Der Ton wird rauer

Was sind schon 38 Jahre? Frei nach dem Motto „Niemals zu alt für Punkrock“ veröffentlichen NOFX nur kurze Zeit nach dem Split-Album mit Frank Turner den Nachfolger von „First Ditch Effort“ aus dem Jahr 2016.
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Das „Single Album“, welches bereits seit einem guten Jahr aufgenommen ist, wurde aufgrund des im letzten Jahr zusammen mit Frank Turner produzierten Albums „West Coast vs. Wessex“ ins Jahr 2021 verschoben. Es enthält, wie es der Name bereits vermuten lässt, viele Tracks, die bereits als Singles oder B-Seiten erschienen sind. Gleichzeitig mit dem Release in diesem Februar will sich die Band wieder ins Studio begeben, um ein zweites NOFX-Album noch in diesem Jahr zu releasen. Das Jahr 2021 wird also eindeutig NOFX-lastig. Nur ist das jetzt gut oder schlecht?

Selten waren Fragen in Reviews einfacher zu beantworten. NOFX wissen bereits seit Jahrzehnten genau, was sie tun und an welchen Stellschrauben man drehen muss, um unterhaltsamen und ansteckenden Punkrock zu produzieren. Von daher ist es kaum verwunderlich, dass auch „Single Album“ die Grunderwartung an die Band aus den Staaten erfüllen kann. Aber kommen wir zu den Details: „Single Album“ enthält insgesamt zehn Tracks und läuft über 36 Minuten. Das ist verglichen mit vielen anderen Punkrockplatten, die ebenfalls größtenteils mit schnellen Beats und kurzen Songs ausgestattet sind, nicht die kürzeste Platte. So ist es kaum verwunderlich, dass nur zwei Titel kürzer als drei Minuten sind und das Album mit „The Big Drag“ mit einer Länge von fast sechs Minuten fast schon mit einem Exoten startet. Der Titel darf gut und gerne als Aufwärmer angesehen werden. Er kommt über die Hälfte seiner Spielzeit nur mit Gesang, Gitarre und selten eingestreuten Drums aus und fährt dann immer weiter hoch. So wird die Hörerschaft langsam wieder darauf vorbereitet, dass NOFX eben immer noch nach NOFX klingen und das jetzt auf neun Tracks raus gelassen wird. Und auch wenn der Grundton, vor allem textlich, auf dem „Single Album“ etwas melancholischer ist und weniger zum fröhlichen Mitgröhlen einlädt, klingt das Ganze nach wie vor nach solidem amerikanischen Punkrock.

 

Vor allem „I Love You More Than I Hate Me“, „Fuck Euphemism“ oder „Your Last Resort“ im späteren Verlauf sind schnelle Bretter, wie man sie von NOFX gewöhnt ist. "Fuck Euphemism" greift das von NOFX oft behandelte Thema Sexualität und Cross-Dressing auf, indem Fat Mike Situationen besingt, in denen er von anderen dafür angegangen und als "Wannabe Queer" betitelt wurde. Dafür gibt es von ihm den hiermit vertonten erhobenen Mittelfinger. Dementgegen stehen Songs wie „Fish In A Gun Barrel“ oder „Doors and Fours“, die Fat Mikes Texte auch ohne dieses Tempo transportieren können. Was alle eint, ist der melancholische und besorgt ernste Ton, der die Lyrics des „Single Album“ beherrscht. „My Bro Cancervive Cancer“ ist dafür das beste Beispiel.

Fazit

7
Wertung

Wenn ich mich beim Hören eines neuen NOFX-Albums sofort daran erinnert fühle, wie ich bei "VIVA Plus" ewig und drei Tage darauf gewartet habe, dass endlich wieder "Franco Un-American" läuft, während ich es selbst nicht eingesehen habe, auch nur einen Cent dafür auszugeben, muss die Band nach wie vor irgendetwas richtig machen. Solider Punkrock. Passt!

Mark Schneider
6.7
Wertung

Mit "Single Album" erfinden sich NOFX nicht neu. Aber warum auch? Die angenehm abwechslungsreiche Musik macht weiterhin Spaß, die sardonischen Texte hinterlassen ein bittersüßes Gefühl. Seit Jahrzenten machen sie es so und unterhalten damit immer neue Generationen von Punks.

Steffen Schindler