Marteria und "5. Dimension": Wohlfühlrap

"5. Dimension" ist Deutschpop mit Hip-Hop-Einflüssen. Selbst Marterias technisch starker Rap kann die Qualität des Albums nicht hochziehen. Die generischen Beats sind der "Marteria Sound", der sich seit 2014 nicht mehr verändert hat.
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Wie würde eigentlich ein Pop Album, getarnt als Hip Hop Album klingen, wenn die Sportfreunde Stiller zusammen mit Revolverheld die Beats machen würde und Mark Forster dazu Texte schreiben würde, ganz nach dem Motto „du kannst alles machen, wenn du an dich glaubst und die Liebe nicht vergisst“? Anscheinend hat sich Marteria genau diese Frage gestellt und als Antwort „5. DIMENSION“ produziert.

Marteria hat vor langer Zeit seinen Sound gefunden und diesen anscheinend seitdem auch nicht weiter bearbeitet. Man muss nicht das Rad neu erfinden, um einen interessanten, sich von der Masse absetzenden Track zu produzieren. Aber immer wieder mit den gleichen Beatmustern um die Ecke zu kommen, nur damit man sich mit ähnlichen Worten über die sich nicht wechselnden Thematiken auseinandersetzen kann, führt dazu, dass aus dem einst wortgewandten Rapper mit Killerflow ein Mainstream Pop-Hip-Hop-Künstler wird.

Technisch ist Marteria ganz klar auf einem Dendemann Level, aber der Gesamteindruck der Platte ist eher so ein Wohlfühlrap. Man könnte glatt meinen, dass bald ein Feature mit beispielsweise Beatrice Egli oder Andreas Bourani erscheinen wird.

Marteria versteckt sich immer mehr hinter seiner „du kannst alles schaffen, wenn du an dich glaubst“-Attitüde und treibt immer weiter von seinem einst qualitativ hochwertigen Rap ab.

Die Beats sind eben genau so, wie man sich sie bei einem Marteria-Album vorstellt. Es ist teils sehr schwierig zu erkennen, welchen Track man jetzt genau anhört, da sich das komplette Album wie ein generischer Pop-Song auf Dauerschleife anhört. Der Text von Marteria ist grob gesagt nichtssagend. Man könnte genau so gut das Rauschen eines Fernsehers einbauen, wobei dieses Stilmittel wahrscheinlich eine tiefere metaphorische Ebene erlangen würde, als sie Marteria je mit seinen Texten erreichen könnte.

 

Die einzig gute Entscheidung, die Marteria bei der Produktion des Albums getroffen hat, ist sich DJ Koze ins Studio einzuladen.

Ist DJ Koze an den Reglern, ändert sich die Stimmung der Tracks schlagartig und auf einmal scheint doch noch ein Funken Qualität und Talent auf der neuen Platte von Marteria zu existieren. Der Beat von „Loft&Liebe“ wirkt beflügelnd und DJ Koze gibt dem Track seinen ganz persönlichen Dance Vibe, den man von ihm gewohnt ist.

Obwohl DJ Koze nicht auf dem Track „DMT“ mitgewirkt hat, steht der Song dennoch im Kontrast zum restlichen Album. Das minimalistische Intro schafft eine düstere Atmosphäre, die dann von Marterias Stimme weitergetragen wird. Die erste Hälfte des Tracks klingt vielversprechend, doch anstatt einer wutentbrannten Explosion folgt nur wieder das von Marteria schon gewohnte „aber ich liebe das Leben“ Gerede.

„5. Dimension“ ist ein klassisches Marteria Album. Wenig Aussagekraft verpackt in einer Mischung aus Hip Hop und immer mehr Pop. Zwar ist Marteria technisch auf einem hohen Level und beeindruckt immer wieder mit seinem starken Flow, aber das bringt auch nicht wirklich viel ohne relevanten Inhalt und mit Beats, die sich seit circa 2014 in ihrem Stil nicht sonderlich gewandelt haben.

Fazit

4.1
Wertung

Das Album ist schlichtweg langweilig mit ein paar wenigen, interessanten Parts, welche die Platte aber qualitativ nicht wirklich hochziehen können. Marteria entwickelt sich immer weiter in Richtung Wohlfühl Schlagerpop mit einer kleinen Prise Hip Hop.

Paula Thode
5.3
Wertung

Man konnte bereits mutmaßen, dass das Pulver bis zur Geburtsstunde der 5.Dimension verschossen sein würde. Marten Laciny protzte mit bärenstarken Singles und muss nun auf voller Albumlänge performen. Und tatsächlich flacht die zweite Hälfte der Platte merklich ab, Songs wie „DMT“ erschließen sich vielleicht erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase.

Marco Kampe