Mal Élevé und „Megafon“: Das Erbe von Irie Révoltés

Mit den vier Tracks auf „Megafon“ setzt Mal Élevé da an, wo er mit seiner Band 2017 aufgehört hat. Die Musik bleibt ähnlich wie bei Irie Révoltés, die Texte sind auch weiterhin politisch.

„Die Revolution geht weiter“ heißt es auf seiner Internetseite. Anderthalb Jahre nach dem Ende von Irie Révoltés bringt Mal Élevé, einer der beiden deutsch-französischen Sänger der ehemaligen Dancehall/Ska/Punk-Band, nun eine eigene EP heraus. Dass es wie schon zu Irie-Zeiten wieder politisch wird, verrät dabei schon der Titel der Vier-Track-EP: „Megafon“.

Bestätigt wird die anfängliche Vermutung direkt durch den ersten Satz im Opener „Non“: „Wo bleibt die Revolution?“. Mal Élevé vergleicht in diesem Titel das Leben von Armen und Reichen. Musikalisch ist es die schon von seiner Band bekannte Mischung aus Reggae, Dancehall und Ska. Auch das Mischen von deutscher und französischer Sprache fehlt natürlich nicht. Insgesamt bleibt „Non“ aber ein recht ruhiger Protest-Song.

„Jamais Fatigue“ hat da zunächst schon mehr Tempo. Los geht es mit Rap auf Französisch. Und dabei bleibt es auch. Gewohnt eingängig bleibt dieser Track, in dem kein deutsches Wort vorkommt. Die Titel aller Songs sind französisch und so dauert es auch im dritten Track „La Course“, bis das erste deutsche Wort fällt - natürlich auch hier in der schon von Irie Révoltés gewohnten Geschwindigkeit. Dieser Song ist etwas abwechslungsreicher als die beiden Vorgänger, hat ruhige, instrumental zurückhaltendere Passagen, und lautere.

Nachdem in den beiden vorherigen Songs die französische Sprache überwog, singt und rappt der Heidelberger in der Ode an die Musik „La Musique“ wieder mehr auf Deutsch. Auch dieser Song hat einen fröhlichen Sound, lädt zum Tanzen ein. Mit dem schönen Satz „Träume werden Realität“ endet die EP.

„Megafon“ ist insgesamt ruhiger als viele Irie-Songs, aber Mal Élevé macht letztendlich dort weiter, wo er mit seiner Band aufgehört hat. Der Sound und die Idee der Musik sind damit nicht neu, aber im Prinzip so, wie man es erwartet hätte.

Fazit

6.5
Wertung

Es ist schön zu sehen, dass auch nach dem Irie-Ende der Gedanke und die Musik noch nicht tot sind. Für mich hätte es gern ein bisschen weniger ruhig, sondern wieder lauter und punkiger sein können, aber trotzdem bin ich nicht enttäuscht von dem, was Mal Élevé hier abliefert.

Lara Teschers
6.3
Wertung

Spätestens mit der „Megafon“-EP wird deutlich, wer bei Irie Révoltés für den kreativen Output verantwortlich war. Der allgemeinen Erwartungshaltung kommt Mal Éléve zielsicher nach und zerpflückt auf tanzbaren Beats die Fehlentwicklungen unserer Zeit. Der tägliche Blick in die Nachrichten bietet schließlich reichlich destruktive Inspiration. Ingesamt vier Tracks, die zeigen: Gesprächsbedarf herrscht auch nach dem Ende der Heidelberger Supergroup.

Marco Kampe