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LUMINO und „going offline“: Do Androids Dream Of Vaporwave?

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Mo, 24.12.2018 - 13:46
Post-Internet ist eine abstruse und teils verstörende Spielart des Vaporwave. LUMINO hat mit „going offline“ nicht nur den passenden Albumtitel gewählt, sondern auch einen Soundtrack für dystopische Cyberpunk-Filme und Liebhaber des Genres geschaffen.

Wie klingt es, wenn man das Innere eines Computers, „Blade Runner“ und Angststörung kombiniert? Vermutlich so wie „going offline“. Post-Internet zeichnet sich durch eine dunkle Klangwelt, harte Loops und einen Sound, der an Cyberpunk-Filme und -Videospiele erinnert aus. Das Genre klingt bedrohlich und weniger nach Leichtigkeit, wie es im Hauptgenre sonst üblich ist. Diesen Sound hat LUMINO auf „going offline“ in teils erdrückender Art und Weise erzeugt.

Tracks wie „node not found“ oder „ビットコイン 未来 2099“ entführen in eine düstere, kalte und unsichere Welt. Die depressive und gefährliche Grundstimmung des Albums erinnert an Filme wie „Blade Runner“ oder „Ghost In The Shell“. Klangtechnisch erklingt eine Mischung aus Emotionen und Technik, ähnlich einem Androiden. Es gibt breite Synthie-Teppiche, knackende Beats und rauschende Melodien, gemischt mit Reverb, Loops und Tremolo. Titel wie „N S X“ reißen die Zuhörer dann mit Noise-Elementen aus der Entspannung heraus, ohne das Hörerlebnis zu stören. Es passt zusammen und auch wenn die Titel sehr unterschiedlich sind, klingt das Album wie eine kleine Geschichte in der ungewissen Zukunft, ohne Happy End.

Die vielschichtigen und verstörenden Songs brauchen Zeit, um sich zu entfalten. Nicht alle Momente lassen sich beim ersten Mal erfassen. Ganz offenbart sich „going offline“ wohl erst nach vier- oder fünfmaligem Hören und auch dann entdeckt man stets noch einen kleinen versteckten Sound, der den Song noch einmal aufwertet.

Wie bei jeder Musikrichtung gibt es Musik für Fortgeschrittene. Kaum ein Fan von Rockmusik hat mit Tool angefangen, einfach weil die Musik sehr anspruchsvoll ist und teilweise auch überfordert. Ohne LUMINO mit Tool vergleichen zu wollen, ist es hier jedoch ähnlich. Ein Album wie „going offline“ braucht Zeit und Raum, um zu wirken. Die abwechslungsreichen und düsteren Tracks strahlen eine bedrohliche Aura aus und sind eher ungeeignet, um sie nebenbei zu hören.

Post-Internet ist nicht für jeden geeignet. Die dunklen und beinahe angsteinflößenden Klänge haben jedoch ihre Liebhaber und bei „going offline“ hört man auch warum. Das Album beweist mehr Tiefgang als viele aktuelle Alben aller Genres und lädt die zuhörende Person ein, in eine Welt aus Regen, Häuserschluchten, Festplattencrashs und Philosophie einzutauchen.