The Low Anthem und „The Salt Dolt Went to Measure the Depth of the Sea“: Rhythmische Tiefenentspannung

Wer nach der überaus langen Headline noch gedanklich an Bord ist, sollte sich nicht mit einer ausschweifenden Einleitung auseinandersetzen müssen. Ein Direkteinstieg (der sich lohnt!).
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Was kann man von einer US-amerikanischen Indie-Pop-Formation aus „Rhode Island“ erwarten? Und wo liegt dieses „Rhode Island“ überhaupt? Ein Blick auf die Karte, mit „The Salt Dolt Went to Measure the Depth of the Sea“ auf den Ohren, klärt auf und zeigt: Ebenso viel, wie von Gruppierungen aus musikalischen Metropolen à la New Orleans oder Nashville. Kreativität macht keinen Halt vor Ländergrenzen und erst recht nicht vor der Heimat dieser Formation.

Der Bandname vermag es, den Klang des vorliegenden Albums 1:1 widerzugeben. „Leise“ oder „gediegen“ sind in der Alltagssprache keine gängigen Merkmale einer „Hymne“. Doch genau dieses Paradoxon wird mit dem Opener „Bone of Sailor, Bone of Bird“ gelungen in Szene gesetzt. Da versteht jemand sein Handwerk. Die titelgebende Zeile setzt das Zusammenspiel von Schläfen- und Stirnlappen des Gehirns bereits nach erstmaligem Hören in Gang. (Ohrwurm!)

Es ist bemerkenswert, auf welches Repertoire an Instrumenten The Low Anthem zurückgreifen. Ganz gleich ob Streich-, Zupf- oder Blasinstrumente („Coral-Crescent“), alles verschmilzt zu einem überzeugenden Indie-Mix. Jene Vielfalt drückt sich zugleich in der Tracklist aus. Zahlreiche Naturmotive trägt die Band mit unerschütterlicher Gelassenheit vor. „Gondwanaland“ ist an dieser Stelle ein typischer Vertreter. Titel wie „The Krills Whistle Their Fight Song“ haben zudem eine durchaus verrückte Komponente. Sie heben sich durch elektronische Stilelemente einerseits hervor, stützen andererseits problemlos das Konstrukt, welches sich mit einer schmalen halben Stunde zufriedengibt. „Give My Body Back“ darf in einer Albumbewertung nicht unterschlagen werden. Das angenehme Rauschen einer Schallplatte bildet den Einstieg in ein von akustischen Gitarren getragenes Stück. Mehrstimmiger Gesang im Zusammenspiel mit eingängiger Melodie macht einen der absoluten Höhepunkte aus.

Sicherlich existieren 1-2 Stücke, die nicht auf voller Länge mithalten können („Dotwav“). Indes schmälern diese den weitestgehend positiven Eindruck nur minimal.

Aufregend unaufgeregt. So könnte und sollte man „The Salt Dolt Went To Measure The Depth Of The Sea“ in einer Rückschau bezeichnen. Lässige Begleitung für den Feierabend oder Rückweg vom sommerlichen Strandbesuch.

Fazit

7.2
Wertung

In meiner Liste taucht das Album mit Sicherheit nicht zum letzten Mal auf. Gediegene Klänge können sehr wohl laut nachhallen; ich freue mich auf weiteres Material.

Marco Kampe