L.A. Witch und "Play With Fire": Einfach Intuition

In der Psychologie verwendet man für teils unbewusste Entscheidungen den Begriff des „Priming“. Selbst in Ruhe- und Schlafphasen verarbeitet der menschliche Denkapparat Sinneseindrücke und speichert diese für zukünftige Handlungen gewinnbringend ab. Auch auf „Play With Fire“ scheint es so, als würden die US-Amerikanerinnen um L.A. Witch intuitiv Vieles richtig machen.
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Das maßgebliche Genre „Garage/Noise Rock“ bzw. die bandseitig benannten musikalischen Vorbilder haben eine aktivierende Wirkung auf L.A. Witch. Es ist häufig die Rede von einem Zusammenspiel aus Bahnungs- und Zielreizen. Wie von Geisterhand wird das Album in eine Richtung gelenkt, in welcher es das ureigene Potential zu beachtlichen Teilen ausschöpfen kann. Vorab darf hier auf die an die Hochzeiten des Rock´n´Roll erinnernde Abmischung verwiesen werden. Nahezu dumpfe, hallende Vocals werden von pampigem Schlagzeugspiel und unsauberen Gitarrenspuren untermalt. Was den heutzutage klinisch reinen Produktionen wie ein Affront vorkommen mag, passt in diesem Fall haargenau ins Gesamtbild.

Als überaus gewitzter Opener steigert „Fire Starter“ die Lust auf den weiteren Plattenverlauf. Virtuose Riffs und ein ausschweifender C-Part vermitteln psychedelische Tendenzen, die trotz rockender Grundattitüde auch eine gewisse Harmonie transportieren. Gleiches gilt für das spannungsbefreit umherschlendernde „Gen-Z“. Ein glattgeschliffener Song im besseren Sinne. Im Falle von „Starred“ stellt sich der Hörer die unweigerliche Frage, ob man hier vielleicht im Produktionsprozess pflanzlichen Substanzen zugesprochen hat? Voller Störgeräusche, Nebeneffekte und abwesend wirkender Attitüde beißt sich dieser Eindruck bis zum leicht verschrobenen Ende fest.

Auf der anderen Seite enthält „Play With Fire“ auch den einen oder anderen kompromisslosen Rocker. „Motorcycle Boy“ beginnt mit der Zündung eines bollernden Verbrennungsmotors und schleppt sich im Nachgang behäbig über die Route 66 in Richtung Sonnenuntergang. „I Wanna Lose“ wirbelt ebenso Straßenstaub auf und verbreitet unbändiges Cabrio-Feeling. Eine lässige Nummer. Auch „Dark Horse“ läuft zwischen The Who und Queens Of The Stone Age problemlos durch. Das Prädikat „aufgeregt unaufgeregt“ hat sich der Song dabei redlich verdient. Verträumt bedächtig und dennoch fesselnd. „True Believers“ drängt unerwartete und höchstwahrscheinlich nicht beabsichtigte Referenzen auf: Vielleicht fühlt sich noch jemand an Deichkinds „Illegale Fans“ erinnert? Es mag Einbildung sein, es zaubert gleichwohl ein gewisses Schmunzeln hervor. Klassischen Garage-Rock bedienen L.A. Witch auf „Sexorexia“. Der Titel kommt schwungvoll aus der Hüfte. Gediegener geht es letzten Endes bei „Maybe The Weather“ zu. Ein verlassenes Dorf im Wilden Westen? Nieselregen und verlassene Straßen? Trüber Kerzenschein hinter den verdreckten Scheiben eines örtlichen Saloons? Eine willkommene, weitere Klangnuance im Country-Style.

Unter dem Strich bleibt ein Album, welches trotz reichlich knapp bemessener Spielzeit vielartige Eindrücke enthält und über weiter Strecken durchaus gelungen ist. Stilistisch gehen L.A. Witch verhältnismäßig wenig Experimente ein, dafür beherrschen sie ihr erlerntes Handwerk einwandfrei. Ein Hoch auf die Intuition und ihre unbewusst eingeflößten Handlungsempfehlungen.

Fazit

7
Wertung

„Mit guten Ansätzen und einer gelungenen Abmischung bringen mir L.A. Witch ein Genre näher, welches bei mir üblicherweise nur mäßige Begeisterung auslöst.“

Marco Kampe