Kommando Kant und „Aussterben ist ein schönes Hobby“: Zwischen Klaviermusik und Indie-Rock

Kommando Kant lassen sich in keine Schublade stecken. Was sich schon durch das vergangene Album gezeigt hat, wird mit „Aussterben ist ein schönes Hobby“ erneut verdeutlicht. Von soften Klavieroutros bis hin zu rockigeren Klängen beherrscht die Band ihr Handwerk.
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„Aussterben ist ein schönes Hobby“ klingt nach einer Suffidee, was der Albumtitel auch tatsächlich ist. Wirkt das Album so von außen fast einfältig und im Alkoholrausch entstanden, umso vielschichtiger und durchdachter sind die Songs, die sich hinter dem Titel verbergen. Schon der erste, auch als Single ausgekoppelte Track „Miami“ macht gute Laune, punktet mit typischem alternativen Deutschrock à la Leoniden oder Madsen und kommt mit Ohrwurmgarantie.

Dieses Mitreißende findet sich auch in anderen Songs wieder – aber eben nicht in allen, das wäre ja langweilig. „Im Dunstkreis“ endet beispielsweise mit einem Klavieroutro, „Datengetrieben“ ist ein sehr ruhiger, fast träger Song, der als zweiter Track direkt in Kontrast zum musikalisch gegensätzlichen Album-Opener „Miami“ steht. Ob sich damit der breiteren Masse geöffnet werden oder das Können in unterschiedlichen Stilrichtungen bewiesen werden soll, bleibt offen. Dass das Können existent ist, ist auf der etwa halbstündigen Platte auch nicht zu überhören. Langeweile oder gar Eintönigkeit kommt im Gesamtbild nicht auf, wenn auch vielleicht nicht allen Hörenden jeder Song gefallen wird. „Klein Amsterdam“ bewegt sich etwas vom normalen Gesang weg und geht ein bisschen über in Sprechgesang und Shouts ohne Tonhöhenwechsel, was das Klangbild dieses Songs neben dem Instrumentarium noch mehr in Richtung rotzfrechen Punk bringt.

Textlich sind die Songs (ganz Punk-like) gesellschaftskritisch unterwegs, besonders „Die Firma dankt“, in dem die Ausrichtung des Lebens auf die Arbeit kritisiert wird, fällt auf.

Fazit

7.1
Wertung

Variabilität können Kommando Kant und die gegensätzlichen Stilrichtungen werden auch beherrscht, Ohrwürmer bei einzelnen Songs garantiert. Eine theoretisch nicht benötigte, aber dennoch absolut willkommene Ergänzung in der Deutschpunk/Alternative/Indierock-Blase.

Jannika Hoberg
8
Wertung

Kommando Kant erfüllen einwandfrei den kategorischen Imperativ des Emo-Punks: „Schreibe deine Songs stets so, dass sie zugleich eingängig und verkopft sind“. Das Album klingt nach Küstenwind und Kleinstadttristesse.

Steffen Schindler