Itchy und „Ja als ob“: Doch, auf Deutsch.

Nach sieben englischsprachigen Alben kommen Itchy überraschend souverän mit einer deutschen Platte daher. Ansonsten bleiben sie sich aber weitestgehend treu.
137940itchyjaalsob64f55be7.jpg

„Ja als ob“ - das klingt trotzig, frech, misstrauisch. Misstrauisch (oder skeptisch) wird sicherlich auch der ein oder andere Itchy-Hörer sein. Beim bis hierhin letzten Album „All We Know“ verkürzten sie ihren Namen, und nun singen sie auch noch deutsch. Das ist angesichts des seit ein paar Jahren anhaltenden Deutschrock-Hypes nicht verwunderlich. Aber eben ungewohnt.

Los geht es mit eingängigem Rhythmus, ordentlich Tempo und dem Credo: „Was soll schon passieren? Wir sind noch immer hier“ im Opener „Faust“. Wir erfahren: Die drei Musiker aus dem Süden haben ihre Faust in der Tasche mitgebracht. Aber eben auf Deutsch. Warum klingen Stimmen eigentlich so anders, wenn sie die Sprache wechseln? Unter dem seit zwei Monaten veröffentlichtem YouTube-Video zu dem Song vergleichen Fans Itchy mit Montreal. Das mag nicht nur an der Sprache liegen, sondern auch an dem eben sehr eingängigem Rhythmus, gepaart mit einem einprägsamen Refrain.

Der nächste Song, der Titelsong, klingt schon mehr nach Itchy. Verzerrte Gitarren, fast schon Sprechgesang und wieder mit viel Tempo. Das folgende „Godzilla“ dagegen ist - zumindest anfangs - eher ruhig, geht aber zur Hälfte hin dann doch noch in gewohntem Itchy-Stil ab, bis zum Geschrei am Ende. Für „Ich wollte noch“ haben sich Itchy prominente Unterstützung geholt von einem, der sich mit deutschsprachiger Rockmusik bestens auskennt: Sebastian Madsen. Leider klingt der Song damit dann auch eher nach Madsen mit ein bisschen Itchy-Einfluss statt umgekehrt.

Doch danach sind Itchy wieder 100-prozentig zurück, mit ein bisschen Sozialkritik und „einem Lied, in dem keinen was geschieht“ („Beyoncé & Jay-Z“). Ohne erhobenem Zeigefinger kritisieren sie die Abgestumpftheit der Menschen bei schlechten Nachrichten und das Bedürfnis, sich damit gut zu fühlen. So langsam haben sich die Ohren an Itchy-Songs in deutscher Sprache gewöhnt. Es folgt wieder ein Montreal-ähnlicher Song („Meine Fresse“) und zur Abwechslung mal etwas Ruhigeres („Unser Lied“, „Pflastersteine“).

Nach 13 Stücken ist Schluss und es stellt sich die Frage, warum Itchy nicht schon viel früher mit Deutsch angefangen haben. Es klingt so viel natürlicher als dieses Englisch mit eindeutig deutschem Akzent, das man bisher von ihnen kannte (und das auch seinen Charme hatte). Klar, ungewohnt ist es zeitweise doch noch, aber das Experiment hat sich gelohnt. „Ja als ob“ ist eine abwechslungsreiche Platte, die von schnellen, lauten Songs, über fröhliche Melodien und bis zu ruhigen Stücken alles zu bieten hat.

Fazit

8
Wertung

Ich war überrascht, als Itchy plötzlich ihren Albumtitel „Ja als ob“ veröffentlichten. Haben sie nicht vor knapp zwei Jahren noch gesagt, dass das erst einmal nicht geplant ist? Aber egal, mir gefällt es. Es machte es aber auch schwieriger, sich an das neue Album zu gewöhnen. Das ist gut gelungen, hat alles, was eine Platte braucht - von der quietschenden Rückkopplung am Beginn bis zum abrupten Ende.

Lara Teschers