Idles und “Ultra Mono”: Mit Lächeln und Presslufthammer

Die britischen Post-Punker Idles wurden bei Album der Woche, nicht nur wegen einschlägiger Merchmotive, schon mit Batman verglichen. “Die Band, die wir brauchen und auch verdienen”, hatte Niels letztes Jahr zu ihrem Live-Album geschrieben. Ist “Ultra Mono” also jetzt Idles’ “The Dark Knight Rises”?
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Brexit. Eine globale Pandemie. Impfgegner und Reichsbürger reichen sich die Hand. Volltrottel in Machtpositionen. Die Zeit könnte nicht reifer sein für eine neue Idles-Platte. Und nun, 4 Monate nach dem Release der ersten Single “Mr. Motivator”, wurden die Rufe erhört. “A Momentary Acceptance of Self” lautet der Untertitel des dritten Studioalbums der Band. Ist “Ultra Mono” also die introspektive Antwort auf das breitschultrig bissige “Joy As An Act Of Resistance”. Kurz gesagt: Fuck no! Lang gesagt: Idles haben auch auf “Ultra Mono” nichts von ihrer rotzigen Aggressivität verloren, und schreien ein ums andere Mal ihre Haltung zu gesellschaftlichen und politischen Themen ins Mikro. Mit bitterbösem Sarkasmus spuckt Frontmann Joe Talbot auf das kleingeistige Spießbürgertum und seine Intoleranz. I beg your pardon, I don’t care about your rose garden! Songs wie “Model Village” oder “Carcinogenic” sind das Blümchenpflaster auf dem abgetreten Seitenspiegel der S-Klasse. Eine freundliche Erinnerung, was hier so alles schief läuft, aber stets mit einer positiven und lebensfrohen Attitüde.

Über seine 12 Tracks verliert “Ultra Mono” nicht eine einzige Sekunde an Momentum. Drums und Bass geben einen laut stampfenden Marschtakt an, der zusammen mit den dreckigen Gitarrenriffs und Talbots bis zum Zerreißen gespannten Stimmbändern ihre Liebe für das Leben und die Wut gegenüber denen, die es einschränken wollen, in die Welt hinaus brüllen. Und für solche Menschen finden Idles klare Worte: Eat Shit! Heißt es prominent im Song “The Lover”. Die Band positioniert sich auch auf ihrem dritten Album ebenso klar zu ihren Werten und Moralvorstellungen wie noch am Anfang ihrer Karriere, und legt dabei auch Wert darauf, nicht immer nur zu meckern. Mit aufrichtiger und bestärkender Inbrunst skandiert Talbot auf “Ne Touche Pas Moi”: Your body is your body and it belongs to nobody but you! Mit solch unumstößlichen Bekenntnissen zum Feminismus und gegen toxische Maskulinität führen Idles eine Schlagrichtung fort, die ihnen schon auf ihren ersten beiden Alben eine Menge Lorbeeren eingebracht hat.

Aber auch der Blick nach innen kommt auf “Ultra Mono” nicht zu kurz. So gesteht sich Talbot in “The Hymn” ein, dass er, wie alle anderen auch, einfach nur geliebt werden will. Der Liebe seiner Fans kann er sich wohl auch nach der dritten Platte gewiss sein, macht sich der für seine ungehemmte Emotionalität bekannte Frontmann doch Song um Song aufs Neue seelisch nackt. “Ultra Mono” ist, was drauf steht: Eine mit dickköpfiger Integrität verkündete Liebeserklärung an ihre Gleichgesinnten und ein liebevoll einladender Mittelfinger an alle, die es noch nicht sind.

Idles are Idles, and they intend to go go go.

Fazit

9
Wertung

Diese erbarmungslose Aufrichtigkeit. Diese Bissigkeit. Diese Intensität. Ich kann und will an diesem Album nichts Schlechtes finden, und schließe mich Niels' Ansicht bedingungslos an: Idles sind "the heroes we deserve".

Kai Weingärtner
9.2
Wertung

Idles gehen ihren Weg konsequent, aber kreativ weiter und liefern 12 Empowerment-Hymnen voller Wut und Liebe. Dieses intensive Album-Erlebnis ist der bisherige Höhepunkt des Phänomens Idles.

Steffen Schindler