Good Grief und „Outside The Off Licence“: Ab auf die Bühne!

Auf der Debüt-EP von Good Grief versteht man von Sänger Dan zwar kaum ein Wort, die Musik der Band aus Ontario spricht vertont aber eine deutliche, wenn auch eher belanglose Sprache.
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„Outside The Off Licence“ braucht fast auf die Sekunde genau gerade einmal acht Minuten, bevor der letzte Ton der EP verstummt und der Erste wieder erklingt, sofern man das Debütwerk von Good Grief auf Repeat anhört. Von Beginn an, wenn man den Bandnamen die ersten Male buchstabiert bekommt, während die Musik langsam Fahrt aufnimmt, zeichnet sich die Stilrichtung der gesamten EP ab: Schnell, rau, rotzig, unzufrieden, abgefuckt und...unverständlich. Sänger Dan schreit betrunken klingende Worte ins Mikrofon, während der Rest der Truppe ihre temporeichen Songs in die Instrumente kloppt. Hin und wieder kann man die Bedeutung eines Wortes erahnen, die meisten bleiben ein Geheimnis. Was zur Hölle singt der Kerl da eigentlich?

Die Band selbst attestiert ihrem Sänger einen britischen Charme und „tongue-in-cheek lyrics“, was so viel bedeutet wie „mit einem ironischen Unterton versehen“. Mit viel Fantasie und einem verdammt guten Gehör könnte das gegebenenfalls zu bestätigen sein. Musikalisch und vor Allem in aufgenommener Form kommt die Band aber nicht darüber hinaus bereits ab dem dritten Durchlauf anstrengend zu werden, also wenn man sich den Sound der Band erst circa 16 Minuten lang gegeben hat. Auch wenn man zwar pausenlos mitwippen will, bearbeitet die Musik auf Dauer die Nerven gefühlt mit einer Kettensäge. Auch wenn man die meisten Stellen schnell auswendig mitrufen kann, ohne sie wirklich zu verstehen, bleibt im Nachgang nicht wirklich etwas hängen.

Den fetten Pluspunkt können Good Grief mit diesem Sound auf ihrer Debütveröffentlichung einfach nicht holen. Es gibt dennoch Hoffnung für die Gruppe und die vier Titel umfassende EP „Outside The Off Licence“. Es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen, wie diese Tracks zu viel zu später Stunde und nach viel zu vielen Drinks durch einen Club knallen, während sich die Band auf der Bühne abarbeitet und mitsamt des Publikums regelrecht eskaliert. Das Phänomen ist nicht selten, dass Formationen auf der Bühne Stimmung ohne Ende machen und ganze Clubs zum Ausrasten bringen, diese Euphorie aber einfach dem nicht gerecht werdend vertonen können und vielleicht auch gar nicht sollten. Ein Konzert von Good Grief verspricht Spaß und wütende Pits, das ist so sicher wie die Tatsache, dass die Lyrics nach den genannten viel zu vielen Drinks zu viel zu später Stunde zumindest nicht anders klingen werden als auf der EP.

Fazit

3.8
Wertung

Ein Konzert von Good Grief würde ich mit Vorfreude besuchen. Ich sehe die Band bereits vor meinem inneren Auge wild durcheinander über die Bühne wirbeln, während Dan seine Texte ins Mikro brüllt und das Publikum eskaliert. Aufgenommen stresst das ganze mich aber auf Dauer. Immerhin haben die gelallten Texte einen gewissen Unterhaltungswert und bringen mich sogar zum Lachen.

Mark Schneider
5.5
Wertung

Der Unterhaltungswert der Truppe ist wirklich unverkennbar. Und auch wenn man eine gewisse Sympathie mit der Band und ihren gelallten Texten entwickelt, so kann es wirklich nicht sein, dass eine EP aus gerade mal vier Songs so unglaublich anstrengt, dass man sie nicht am Stück zu Ende hören kann.

Moritz Zelkowicz