God Is An Astronaut und “The Beginning Of The End (Live)”: Im Strudel

2002 brechen God Is An Astronaut mit ihrem Debütalbum auf die Post-Rock-Bildfläche. 20 Jahre später können sie sich zwar scheinbar nicht mehr an dessen Titel erinnern, die Noten scheinen aber in Fleisch und Blut übergegangen zu sein.
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Aus “The End Of The Beginning” wird “The Beginning Of The End (Live)”. Ob dieser Wortdreher im Titel tatsächlich Zeuge des schlechten Langzeitgedächtnis, oder gar ein verheißungsvoller Hinweis auf ein bevorstehendes Band-Aus ist, bleibt, wie so oft bei God Is An Astronaut, zumindest verbal unbeantwortet. Soviel sei aber gesagt: auch nach zwanzig Jahren haben die vier Iren wenig an musikalischem Können eingebüßt, wie sie auf dieser Live-Darbietung ihres Langspieldebüts eindrucksvoll zum Besten geben. Wabernde Atmosphäre, versträumt fiebrige Post-Rock-Grooves und allerlei elektronische Spielereien vermitteln eine unheimliche Stimmung.

Dass der Titelzusatz “(Live)” hier so praktisch mitgeliefert wird, ist übrigens auch so ziemlich das Einzige, was an diesem Album auf eine Live-Aufnahme schließen lässt. An keiner Stelle hört man Publikum und die Songs schlingen sich so fließend und durchkonzipiert ineinander, dass man eher das Gefühl hat, einer von vorne bis hinten durchdachten Studioproduktion zu lauschen. Und hier offenbart sich auch der größte Kritikpunkt von “The Beginning Of The End”. Wenn ich den Zusatz “Live” in den Titel meiner neuen Platte packe, dann wecke ich damit wahrscheinlich auch die Erwartungen in den Zuhörenden, hier eine Art konservierte Konzerterfahrung zu bekommen. Das ist hier, wenn man von den ausufernden In- und Outros und den Songübergängen, die die knapp fünf Minuten Extralaufzeit füllen, absieht, nicht der Fall. Auch von der ausgefallenen visuellen Aufbereitung der Live-Performances, für die die Band so bekannt ist, fehlt logischerweise jede Spur.

Was bleibt ist also “nur” eine aufpolierte, etwas dynamischere Version eines ohnehin schon sehr guten Albums, und die Frage, ob es “The Beginning Of The End” wirklich gebraucht hat.

Fazit

7
Wertung

Diese Platte ist ein bisschen wie die Remastered-Version von “Monkey Island”. Für Neulinge ein willkommener Türöffner, für altgediente Fans eine nostalgische Erinnerungshilfe. In beiden Fällen aber nach wie vor ein starkes Werk, auch wenn der Titel vielleicht andere Erwartungen weckt.

Kai Weingärtner