At The Gates und "The Nightmare Of Being": Möchte jemand ein Hustenbonbon?

Die schwedische Melodic-Deathmetal-Band At The Gates präsentiert mit „The Nightmare Of Being“ ihr siebtes Studioalbum in über 25 Jahren Bandgeschichte. Am harten, kratzigen Sound mit einzelnen melodischen Parts ändert sich insgesamt nicht viel.
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In einer weltpolitisch düsteren Zeit inmitten einer Pandemie ein Album zu veröffentlichen, sollte gefundenes Fressen für eine Deathmetal-Band sein, deren Sänger durchgängig so klingt, als würde er dringend ein Hustenbonbon benötigen. Und At The Gates lassen sich die Chance natürlich nicht nehmen, weiterhin den düsteren Sound auf Platte zu bringen, den sie seit 25 Jahren von sich geben – mit einem leichten Prog-Anstrich. Denn erwartet man sonst gnadenlosen Sound, der vor allem durch hohes Tempo und laute, kratzige Gitarren besticht, gibt es einzelne Passagen auf „The Nightmare Of Being“, die aus dem leichten Einheitsbrei der letzten Veröffentlichungen und auch einem großen Teil dieses Albums herausstechen. Als kompletter Song bleibt sicherlich „Garden Of Cyrus“ in Erinnerung, insbesondere durch den Einsatz eines Saxofons - und durch das fast doomig wirkende Tempo inklusive passendem Schlagzeug sowie der Abstinenz harter Gitarrenklänge.

Einige Songs bieten geradezu Plottwists, da wird von lateinischem Mönchsgesang zu Streichern und zu gnadenlosen, zum Headbangen einladenden Passagen gesprungen – was Melodeath endlich irgendwie interessant macht. „The Fall Into Times“ beispielsweise beginnt sehr ruhig mit Paukenschlägen, Chorgesang und wird wahnsinnig groß aufgezogen. Bis dann durch den Einsatz von Tomas Lindbergs Stimminstrument der epische einen leichten, aber sehr lauten Dämpfer erhält.

Fazit

6.5
Wertung

Gerade Menschen, die den Sound und die Songlängen von Meshuggah genießen, werden mit der neuen Kreation von At The Gates sicherlich etwas anfangen können, wenn sie auch weder die klassischen Death-Metal-Fans noch die „Ich packe einen Song in meine Playlist“-Hörer:innen wirklich beglücken dürfte. Und die Stimme muss man mögen.

Jannika Hoberg